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Folter
"Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender
Behandlung oder Strafe unterworfen werden."
Das Verbot der Folter ist ausnahmslos und unmissverständlich. Nicht nur in
der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte sondern auch in weiteren
internationalen Konventionen sowie den Verfassungen, den Polizei- und
Strafprozessgesetzen vieler Länder ist die Folter eindeutig verboten.
Was ist Folter?
Folter ist "jede Handlung, durch die einer Person vorsätzlich große körperliche
oder seelische Schmerzen oder Leiden zugefügt werden, z.B. um von ihr oder einem
Dritten eine Aussage oder ein Geständnis zu erlangen, um sie für eine tatsächlich
oder mutmaßlich von ihr oder einem Dritten begangene Tat zu bestrafen oder um
sie oder einen Dritten einzuschüchtern oder zu nötigen, oder aus einem anderen,
auf irgendeiner Art von Diskriminierung beruhenden Grund, wenn diese Schmerzen
oder Leiden von einem Angehörigen des öffentlichen Dienstes oder einer
anderen in amtlicher Eigenschaft handelnden Person, auf deren Veranlassung
oder mit deren ausdrücklichen oder stillschweigenden Einverständnis
verursacht werden."
Mit diesen kargen Worten beschreibt Art. 1 der
UN-Konvention gegen Folter
was Folter ist. Der nüchterne juristische Text umfasst bereits die Bandbreite
der Gründe, deretwegen immer noch gefoltert wird.
Ein Folteropfer aus Zaire beschreibt seine Erfahrungen so:
"... Diesmal bearbeiteten sie mich mit dem Elektroschlagstock am Genick und
an den Genitalien, und es tat so weh, dass es mir sogar jetzt, während ich
darüber spreche, schwer fällt, nicht verrückt zu werden vor Schmerzen. Diese
Art Waffe, ich kann sie nur als fürchterlich - als unmoralisch - bezeichnen.
Sie stellen diese Waffen her, damit andere leiden oder einfach, um Geld zu
verdienen. Es ist sehr traurig. ..."
Formen der Folter sind vielfältig; der Einfallsreichtum der Menschen, wie sie
andere Menschen quälen können, scheint grenzenlos zu sein. Zu den
Foltermethoden gehören Formen körperlicher Gewalt (Schläge, Zufügen von
Verbrennungen, Elektroschocks, sexuelle Gewalt, Aufhängen an Armen oder
Beinen etc.). Zunehmend werden Methoden angewendet, die keine direkt
feststellbaren körperlichen Schäden verursachen (z.B. Schlafentzug,
Isolationshaft, Dunkelhaft, Miterlebenmüssen der Folterung anerer,
Scheinhinrichtungen, Verabreichen von Drogen).
Auch das "Verschwindenlassen", die Todesstrafe und jahrelange Inhaftierung in
einer Todeszelle sind zur Folter zu zählen. "Verschwindenlassen" ist nicht
nur eine Tortur für den Entführten selbst, der meist weiteren Folterungen
ausgesetzt wird, es ist auch eine furchtbare Folter für die Angehörigen und
Freunde.
Warum wird gefoltert?
Vordergründig wird gefoltert, um Geständnisse zu erlangen, zu bestrafen,
einzuschüchtern. Teilweise wird Folter im Rahmen von Strafverfahren
angewendet, um Straftaten aufzuklären oder zu verhindern. Häufig jedoch geht
Folter einher mit politischer Verfolgung.
Das eigentliche Ziel liegt tiefer: die Persönlichkeit des Opfers zu brechen
und seine Identität zu zerstören. Über das einzelne Opfer hinaus wird die
Bevölkerung eingeschüchtert. Es wird Angst geschürt, sich gegen soziale oder
politische Verhältnisse zu engagieren. Folter ist ein staatliches Macht- und
Terrorinstrument und eine effektive Waffe gegen Demokratie.
Aber auch von oppositionellen Gruppen wird Folter praktiziert. Im Versuch,
die Macht gewaltsam an sich zu reißen, üben sie Folter ebenso wie staatliche
Stellen zur Einschüchterung der Bevölkerung aus.
Rahmenbedingugen, die Folter fördern
Folter wird u.a. begünstigt durch:
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Diktaturen, die jede Opposition ablehnen, |
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Haft ohne Kontakt zu Außenwelt (Incommunicado-Haft), v.a. bei
Dauer über mehrere Tage oder Wochen, |
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Unfaire Prozesse, in denen unter Folter erpresste Geständnisse
als Beweismittel anerkannt werden, |
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Straflosigkeit bis hin zur offiziellen Gewährung der Immunität
für Folterer, |
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mangelhafte Ausbildung der Sicherheitskräfte, Ausbildung zur
Folter, |
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Erziehung/Ausbildung zu absolutem Gehorsam, strikte Hierarchien,
in denen Befehle nicht hinterfragt oder diskutiert werden (dürfen),
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"Entmenschlichung" der Opfer, wobei der Öffentlichkeit
suggeriert wird, die Opfer seien gefährliche oder grausame Feinde;
die Folter geschehe als "kleineres Übel" zum Wohle des Volkes.
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Die Folterer sind - häufig - rangniedrige Angehörige von Polizei, Armee,
Geheimdiensten oder paramilitärischen Gruppen - ganz normale Menschen,
die unter besonderen Bedingungen zu Folterern werden.
Die Folteropfer
Von Folter sind besonders Personen betroffen, die die Beseitigung von
konkretem Unrecht fordern, sodass das Ziel der Folter zumeist ist, diese
Opposition gewaltsam zu unterdrücken. Opfer werden z.B. engagierte Personen
ethnischer Minderheiten, oppositionelle Politiker, Studentenführer, kritische
Journalisten, Angehörige religiöser Minderheiten, Menschenrechtsverteidiger
und Menschen, die gegen ungerechte soziale Verhältnisse protestieren.
Folteropfer sind aber auch Menschen, die verdächtigt werden, Straftaten
begangen zu haben und von denen Geständnisse erpresst werden sollen.
Sogar Kinder werden gefoltert, etwa bei der Verhaftung ihrer Eltern oder wenn
sie selbst ins Gefängnis geworfen werden. Kinder werden zudem gefoltert, um
sie in (Bürger-) Kriegen als Soldaten missbrauchen zu können.
Folgen der Folter
Mit dem Ende der unmittelbaren Folter ist das Leiden der Opfer nicht beendet.
Viele leiden ihr Leben lang. Neben körperlichen Folgen, wie ständige
Schmerzen oder bleibenden Behinderungen leiden die Betroffenen unter
gravierenden psychischen Folgen der Traumatisierung durch die Folter. Bei
manchen ist die gesamte Persönlichkeit gebrochen. Zu den häufigsten
psychischen Folgen zählen Schuldgefühle, Schlafstörungen, Angstzustände,
Beziehungsprobleme. Diese Nachwirkungen belasten die Opfer und ihre Familien
auch lange Zeit nach der Folter.
Folter - ein globales Problem
Zwar haben fast alle Staaten der Erde die
Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
unterzeichnet und sich somit zur Achtung der Würde
jedes Menschen verpflichtet. Dennoch ist Folter in mehr als der Hälfte
aller Staaten grausame Realität - auch in Ländern, die die internationalen
Konventionen ratifiziert haben.
Besonders viele Meldungen kommen derzeit aus:
Tunesien Sri Lanka USA (Todesstrafe) Sudan Kolumbien Israel Mexiko Nigeria
Indien Philippinen China
Folter besiegen
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Rehabilitierung von Folteropfern
Die Rehabilitierung von Folteropfern ist eine schwierige und langwierige
Aufgabe. Für den Folterüberlebenden kann auch nach erfolgreicher Behandlung
durch spezialisierte Therapeuten das Leben nie wieder sein wie vorher. Aber
eine Therapie kann dem Betroffenen ermöglichen mit dem Trauma umzugehen,
wieder Beziehungen aufzubauen und als Mensch in der Gesellschaft zu leben.
Manche können sogar ihr politisches oder soziales Engagement wieder aufnehmen.
Inzwischen gibt es solche Zentren in vielen Ländern. Als eines der ersten
entstand das International Rehabilitation Council for Torture Victims (IRCT)
in Kopenhagen. Auch in Deutschland gibt es zahlreiche größere und kleinere
Initiativen, Praxen und Zentren, deren Patienten vorwiegend Flüchtlinge und
Folteropfer der ehemaligen DDR sind. Sogar in Folterländern selbst werden
solche Zentren aufgebaut, z.B. in der Türkei oder in Kamerun.
Für die ACAT als eine Organisation, die sich die Überwindung der Folter zum
Ziel gesetzt hat, und die sich an die Seite der Opfer von Menschenrechtsverletzungen
stellt, ist die Unterstützung der Rehabilitation von Folteropfern eine wichtige
Aufgabe. Daher unterstützen verschiedene ACATs mehrere dieser
Rehabilitationszentren.
Für die Arbeit der Rehabilitationzentren ist von entscheidender Bedeutung,
dass sie als Schutzraum für an Körper und Seele verwundete Menschen von den
staatlichen Behörden respektiert werden. Auch hierin unterstützt die ACAT
diese wichtigen Einrichtungen durch Interventionen bei den verantwortlichen
Stellen.
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