ACAT - Deutschland

Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter - Action des Chrétiens pour l’Abolition de la Torture

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Weltkarte


 

important

Gambia:  Yusupha Lowe, „Verschwindenlassen“, drohende Folter                

 

Hintergrundinformationen

globe

Gambia: 1,7 Mio. Einwohner auf 11.295 km² Fläche, BSP/Einw. 320 $ (2004), Bevölkerung: ca. 44% Mandingo, 17,5% Fulbe, 12,3% Wolof, 7% Djola, 7% Sarakole u.a., Religion: 85% Muslime, 10% Christen indigene Religionen. Gambia hat den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte ratifiziert und das Übereinkommen gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe unterzeichnet.

 

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Der 16-jährige Yusupha Lowe ist dem „Verschwindenlassen“ zum Opfer gefallen.
Der Vater des Jugendlichen, Bai Lowe, soll in den Putschversuch vom 30. Dezember 2014 verwickelt gewesen sein, bei dem bewaffnete Männer den Präsidentenpalast in der gambischen Hauptstadt Banjul angegriffen hatten. Bai Lowe ist außer Landes geflüchtet. Am Mittag des 1. Januars 2015 wurde Yusupha Lowe zusammen mit zwei anderen Familienmitgliedern von Männern in Zivil am Wohnsitz seines Vaters festgenommen. Es wurde nach Angaben von Amnesty International kein Haftbefehl vorgelegt.
Yusupha Lowe wurde an den Sitz des nationalen Geheimdiensts NIA (National Intelligence Agency) in Banjul überstellt, wo er mehrere Monate lang ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten wurde. Gegen ihn wurde keine Anklage erhoben und er erhielt keine Gelegenheit, mit seiner Familie Kontakt aufzunehmen oder einen Anwalt zu sprechen. Sowohl die gambische Verfassung als auch Menschenrechtsnormen und -verträge schreiben vor, dass Straftatverdächtige binnen 72 Stunden nach der Festnahme einem Richter vorzuführen sind. Diese Frist ist massiv verletzt worden.
Gegenwärtig befindet sich Yusupha Lowe Berichten zufolge nicht mehr am Sitz der NIA und gilt als vermisst. Die gambische Regierung bestreitet seine Festnahme und der Staat gibt keine Informationen über den Aufenthaltsort des Jugendlichen bekannt. Zusammen mit ACAT-Frankreich und ACAT-Schweiz fordern wir seine Freilassung.
Das Vorgehen der Regierung kommt dem „Verschwindenlassen“ gleich, welches gemäß Völkerrecht eine Straftat darstellt. Personen, die ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten werden, erleiden besonders oft Folter oder anderweitige Misshandlungen.
Nach dem Putschversuch Ende 2014 wurden Dutzende Menschen – Freunde und Angehörige der mutmaßlichen Putschisten – im Januar 2015 willkürlich festgenommen. Die meisten werden bis heute an geheimen Orten festgehalten. Darunter befinden sich neben Yusupha Lowe auch Frauen und ältere Menschen.

Seit seiner Machtergreifung nach einem Militärputsch im Juli 1994 herrscht der Präsident der Republik Gambia, Yahya Jammeh, uneingeschränkt über das Land. Sein Regime unterhält ein Klima des Schreckens und der Unterdrückung. Folter ist in Gambia an der Tagesordnung.
Während ihres Besuchs in Gambia im November wurden dem UN-Sonderberichterstatter über außergerichtliche Hinrichtungen und dem UN-Sonderberichterstatter über Folter der Zugang zu Hafteinrichtungen verweigert, die für Folter bekannt sind.

Im Januar 2013 setzte Präsident Jammeh den politischen Dialog mit der EU aus, nachdem das Thema Menschenrechte in den Themenkatalog aufgenommen worden waren. Der Dialog wurde zwar im Juli 2013 wieder aufgenommen, doch machte die Umsetzung der menschenrechtlichen Verpflichtungen kaum Fortschritte. Im Oktober 2013 gab der Präsident den Austritt Gambias aus dem Commonwealth bekannt, welches mit den Behörden beim Kapazitätsaufbau im Justizbereich und bei der Einsetzung einer nationalen Menschenrechtskommission zusammengearbeitet hatte.

mai

Brieftext

Bitte schreiben Sie an die Justizministerin der Republik Gambia und senden Sie eine Kopie an die Botschafterin in Brüssel. Der unterschriftsfertige Brief kann wörtlich oder inhaltlich genutzt werden – bitte bleiben Sie höflich. Die Adressen sind der Vorlage zu entnehmen (Porto nach Gambia und Brüssel je 0,80 EUR). Bearbeitung innerhalb von 10 Tagen nach Erhalt dieser Sendung, spätestens bis zum 31.07.2015. [Fax-Nr. der Botschaft: 0032/224126803, H.E. Mrs Teneng Mba Jaiteh; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ]

 

Mrs Mama Fatima Singhateh
Minister of Justice and Attorney General
Ministry of Justice
and Attorney General Chambers
Marina Parade
Banjul
GAMBIA

 

Exzellenz,

Berichte der ACAT-Deutschland über die Inhaftierung des 16-jährigen Yusupha Lowe erfüllen mich mit großer Besorgnis.
Yusupha Lowe ist der Sohn von Bai Lowe, der beschuldigt wird, in den Putschversuch vom 30. Dezem­ber 2014 involviert gewesen zu sein. Der 16-Jährige wurde am 1. Januar 2015 zusammen mit zwei Verwandten am Wohnsitz seines Vaters von Männern in Zivilkleidung verhaftet. Es wurde kein Haftbefehl vorgelegt. Yusupha Lowe ist bisher nicht angeklagt worden und verfügt über keinen Zugang zu Rechtsanwälten oder Familienmitgliedern. Zunächst soll er im Hauptquartier des Geheimdiensts NIA (National Intelligence Agency) festgehalten worden sein.
Sein aktueller Verbleib ist jedoch unklar und seine Familie ist in Sorge um seine Sicherheit.
Die Festnahme und die fortdauernde Inhaftierung von Familienangehörigen von Personen, die im Verdacht stehen, Straftaten begangen zu haben, stellen Verletzungen von grundlegenden Garantien der Verfassung Gambias wie auch von regionalen und internationalen Menschenrechtsstandards dar.

In Anbetracht der geschilderten Umstände ersuche ich Sie:

  • Yusupha Lowes Verbleib aufzuklären;
  • ihn bedingungslos freizulassen;
  • seine physische und psychische Integrität unter allen Umständen sicherzustellen.

Für die Aufmerksamkeit, die Sie meinem Anliegen entgegenbringen, danke ich Ihnen.
Mit hochachtungsvollem Gruß

 

Als Kopie zur Kenntnis an:
H.E. Mrs Teneng Mba Jaiteh
Embassy of The Republic of Gambia
126, Ave, Franklin Roosevelt
B-1050 Brussels
BELGIUM

 

Exzellenz,
mit unten stehendem Schreiben, das ich Ihnen als Kopie zukommen lasse, möchte ich die Justizministerin der Republik Gambia auf die Festnahme des Jugendlichen Yusupha Lowe aufmerksam machen und sie darum bitten, sich seines Schicksals anzunehmen.
Mit hochachtungsvollem Gruß

 

Zum Download des Briefes als Word-Datei

 

 


 

important

SimbabweItai Dzamara, „Verschwindenlassen“ , drohende Folter

                            


Hintergrundinformationen

globe

Simbabwe: 12,9 Mio. Einwohner auf 390.757 km² Fläche, BSP/Einw. 680 $ (2012), Bevölkerung: mehrheitlich Bantu, 17% Ndebele, 1,4% Weiße, 10.000 Asiaten (v.a. Inder); Religion: 60-70% Christen, Minderheiten von Muslimen und Juden, viele Anhänger von Naturreligionen; unabhängig seit 1980. Simbabwe hat den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte ratifiziert, nicht jedoch das Übereinkommen gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe.

 

Status-dialog-information-icon

Itai Dzamara, Journalist, Demokratieverfechter und Leiter der Protestbewegung Occupy Africa Unity Square (OAUS), wurde laut Amnesty International am Morgen des 9. März 2015 im Vorort Glen View der simbabwischen Hauptstadt Harare verschleppt. Er befand sich bei einem Frisörbesuch.
Fünf Männer, die mit einem weißen Lieferwagen mit verdeckten Nummernschildern unterwegs waren, beschuldigten ihn, Vieh gestohlen zu haben, legten ihm Handschellen an und fuhren mit ihm davon.
Die Versuche der Familie Itai Dzamaras und von Menschenrechtsanwälten, seinen Aufenthaltsort zu ermitteln, schlugen bislang fehl.
Am 7. März hatte Itai Dzamara an einer Demonstration der Oppositionsbewegung Movement for Democratic Change (MDC-T) in Harare teilgenommen. Dabei hatte er dazu aufgerufen, in einer Massenaktion auf die sich immer weiter verschlechternden wirtschaftlichen Verhältnisse in Simbabwe hinzuweisen.
Als Leiter der Protestbewegung OAUS hatte Itai Dzamara eine Petition beim simbabwischen Präsidenten Robert Mugabe eingereicht, die ihn zum Rücktritt aufforderte und dazu, den Weg zu Neuwahlen zu ebnen. Die OAUS wurde im Jahr 2014 gegründet und setzt sich für Demokratie in Simbabwe ein.

Für sein Engagement zugunsten der Demokratie hat Itai Dzamara auch in der Vergangenheit Repressalien erlitten. Er wurde willkürlich festgenommen und sowohl von Beamten des Staatssicherheitsapparates als auch von Mitgliedern der Regierungspartei ZANU-PF schwer geschlagen.
Am 6. November 2014 wurde Itai Dzamara von Angehörigen der Bereitschaftspolizei brutal zusammengeschlagen und bewusstlos zurückgelassen. Bei der Aufnahme ins Krankenhaus brach er zusammen, musste wiederbelebt und anschließend auf der Intensivstation behandelt werden.
Als Leiter der OAUS hatte Itai Dzamara bereits im Oktober 2014 eine Petition beim simbabwischen Präsidenten Robert Mugabe eingereicht, die ihn zum Rücktritt aufforderte. OAUS veranstaltete zudem einen Sitzstreik im Africa Unity Square, einem Park im Zentrum von Harare in der unmittelbaren Nähe des Parlaments und unweit des Amtssitzes des Präsidenten.

Der Rechtsanwalt Kennedy Masiye von der Menschenrechtsorganisation Zimbabwe Lawyers for Human Rights, die die Proteste unterstützt hatte, wurde ebenfalls von der Bereitschaftspolizei geschlagen, obwohl er sich als Rechtsbeistand von Itai Dzamara zu erkennen gegeben hatte. Die Polizisten warfen seine Anwaltszulassung weg und griffen ihn an. Hierbei wurde ihm der Arm gebrochen und er musste im Krankenhaus behandelt werden.

 

mai

Brieftext

Bitte schreiben Sie an den Innenminister der Republik Simbabwe und senden Sie eine Kopie an die Botschafterin in Berlin. Der unterschriftsfertige Brief kann wörtlich oder inhaltlich genutzt werden – bitte bleiben Sie höflich. Die Adressen sind der Vorlage zu entnehmen (Porto nach Simbabwe 0,80 EUR). Bearbeitung innerhalb von 10 Tagen nach Erhalt dieser Sendung, spätestens bis zum 31.07.2015. [Fax-Nr. der Botschaft: 030/20455062, I.E. Frau Ruth Masodzi Chikwira; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ]


Hon. Kembo Mohadi
Ministry of Home Affairs
11th Floor Mukwati Building
Corner Fourth and Livingstone Avenue
PO Box CY 7703, Harare
ZIMBABWE



Sehr geehrter Herr Minister,

aufgrund tiefer Besorgnis über das „Verschwindenlassen“, dem der Journalist Herr Itai Dzamara nach Angaben von ACAT-Deutschland zum Opfer gefallen ist, wende ich mich an Sie.
Herr Itai Dzamara ist auch Leiter der Protestbewegung Occupy Africa Unity Square (OAUS). Am Morgen des 9. März 2015 befand er sich in Glen View, nahe Harare, bei einem Frisörbesuch, als fünf Männer in einem weißen Lieferwagen mit verdeckten Nummernschildern anhielten. Sie beschuldigten ihn, Vieh gestohlen zu haben. Die Männer legten ihm Handschellen an, zerrten ihn in den Wagen und fuhren mit ihm davon. Seitdem fehlt jedes Lebenszeichen von Herrn Itai Dzamara.

Sehr geehrter Herr Minister, hiermit ersuche ich Sie, Ihren Einfluss geltend zu machen, dass:

  • die Polizei unverzüglich eine Untersuchung der Entführung von Herrn Itai Dzamara einleitet und die Verantwortlichen für dieses Verbrechen in einem fairen Prozess gemäß internationalen Standards vor Gericht gestellt werden;
  • der Vermisste, wenn er sich in staatlichem Gewahrsam befindet, vor Folter und jeder anderen Art von Gewalt geschützt sowie umgehend, vorbehaltlos und dauerhaft freigelassen wird;
  • der Praxis des „Verschwindenlassens“ in Simbabwe wirksam Einhalt geboten wird und auch die Polizei unverzüglich jegliche willkürlichen Festnahmen, insbesondere von Menschenrechtsverteidigern und Oppositionellen, unterlässt.

In der Hoffnung auf Ihre Unterstützung in dieser Angelegenheit verbleibe ich
mit hochachtungsvollem Gruß

 

Als Kopie zur Kenntnis an:
I.E. Frau Ruth Masodzi Chikwira
Botschaft der Republik Simbabwe
Kommandantenstraße 80
10117 Berlin


Exzellenz,
mit unten stehendem Schreiben, das ich Ihnen als Kopie zukommen lasse, möchte ich den Innenminister der Republik Simbabwe im Falle des entführten Journalisten Herrn Itai Dzamara um Unterstützung ersuchen. Sehr dankbar wäre ich Ihnen für Informationen über die Anstrengungen der Behörden zur Aufklärung des „Verschwindenlassens“.
Mit hochachtungsvollem Gruß


Zum Download des Briefes als Word-Datei

 

 


Denkt an die Gefangenen,
als ob ihr selbst mit ihnen im Gefängnis wärt.
Denkt an die Misshandelten,
als müsstet ihr ebenso leiden wie sie.

Hebr. 13,3

Was Sie tun können

 

gebetswache2015
gebetswache web

Nächtliche Gebetswache für Folteropfer

Die ACAT-Gruppe auf der Ruhrhalbinsel hält die Gebetswache seit Jahren in 2 Kirchen (kath. und evang.) und geht zu Fuß von der einen zur anderen. Deshalb teilt sie das Thema in 2 Teile auf, betet in jeder Kirche für 5 der 10 Folteropfer und lässt jeweils einen Unterstützerbrief schreiben. Nutzen Sie den angehängten Ablauf gern auch für Ihren Gottesdienst / Ihr Gebet.
 
Weitere Informationen hier.

Erfahrungen Ruhrhalbinsel Essen hier lesen


Ein Gespür für die Unterdrückten

Die Zeitschrift "Lebenslauf" (Bundesverlag, Witten) hat den bisherigen Lebensweg von
Magdalena Marx, der sehr eng mit dem Weg der ACAT Deutschland verknüpft ist, in einem eindruckvollen Artikel nachgezeichnet.


Filmhinweis
"Exodus - Der weite Weg"
Filmtipp

Der Film beschreibt die globale Dimension des Flüchtlings- und Migrationsthemas durch die Perspektiven der porträtierten Menschen aus vier Kontinenten über einen Zeitraum von zwei Jahren.
Ende März / Anfang April in ausgewählten Kinos.

Spielplan und Trailer: hier

 

Menschenrechte auf dem Rückzug

Bei der Tagung der Katholischen Akademie Schwerte in Zusammenarbeit mit der ACAT Deutschland (14. - 16.09.2018) wird das Thema Menschenrechte in Zeiten von Populismus und Extremismus beleuchtet. Einzelheiten des Programms entnehmen Sie bitte dem angehängten Flyer.
Anmeldung direkt bei der Katholischen Akademie Schwerte hier.


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