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Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter - Action des Chrétiens pour l’Abolition de la Torture

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Friedensgang

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Friedensgang nach der Karfreitagsliturgie in Essen-Byfang 2017

Zum 4. Mal in Folge haben die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands und die ACAT in Essen-Byfang eingeladen zu einem gemeinsam gestalteten Friedensgang zur über 100-jährigen Friedenseiche. Die Kombination aus Erinnerung an die Kriegstoten in grauenhaften Schlachten vor 100 Jahren und der Aufruf zu Gebet und Unterschriftenaktion anlässlich der brutalen Lynchjustiz in Togo heute, war gut gelungen. Die Meditation schlug den Bogen von der togolesischen Bevölkerung, die selbst das Recht in die Hand nimmt, einen Sündenbock umzubringen zur Passionsgeschichte, wo Pilatus dem Volk die Verurteilung Jesu überlässt. Die neuen geistlichen Lieder warben inständig um Versöhnung und Frieden. Eine intensive, eindringliche halbe Stunde an einem denkwürdigen Ort!

Friedensgang 01

Friedensgang 02


Ablauf:

Eingangslied: „Wie ein Fest nach langer Trauer“ Hal 219, Str. 1+2 (Halleluja. Lieder vom Aufbruch. Bistum Essen)

Begrüßung: (Elisabeth)
Worte für die Kriegsopfer im 3. Jahr des 1. Weltkrieges vor 100 Jahren:

1911 pflanzten Männer aus unserer Gemeinde diese Friedeseiche. Sie waren dankbar für 40 Jahre Frieden. Nicht ahnend, dass 3 Jahre später ein Weltenbrand losbricht.

Vor 100 Jahren, 1917, ging dieser Weltenbrand bereits ins 3. Jahr.  An allen Fronten, ob im Osten, Norden, Süden oder Westen von Europa und auch in Asien und Afrika wurde gekämpft.

Ich zitiere aus dem Tagebuch eines deutschen Soldaten:

„Ich hatte nie geglaubt, dass die Hölle von Verdun noch zu überbieten gewesen wäre. Nun sind wir an die Somme verschickt worden. Und hier ist alles gesteigert: Hass, Entmenschlichung, Grauen und Blut. Der Tod ist hier nahe wie die Luft, die man atmet.“

Die Somme-Schlacht brachte den Alliierten ein Geländegewinn von weniger als 10 Kilometer. Dafür waren bei dieser Schlacht über eine Million Menschen gestorben.

Trotz der immensen Verluste ergab sich die deutsche Heeresleitung nicht. Der Krieg ging weiter. Es folgten weitere Schlachten, in denen rücksichtslos die jüngere Generation eliminiert wurde. Diese Generation von jungen Männern durfte ihr Leben nicht gestalten und ihre Liebe nicht leben.

Die Tagebuchaufzeichnungen der Soldaten, ob Deutsche, Franzosen oder Engländer zeugen davon, dass sie bereits nach wenigen Tagen im Kriegseinsatz in ihren Gedanken das Wort von Erich Kästner begriffen hatten:

Glaubt nicht, Ihr hättet Millionen Feinde, Euer einziger Feind heißt Krieg.“

Lasst uns die Kriegstoten nicht vergessen. Lasst uns ihrer gedenken.

Gedanken zu Karfreitag und den Folteropfern heute
Zu Karfreitag, wenn Christinnen und Christen des Leidens und Sterbens Christi gedenken, der am Kreuz gefoltert und getötet wurde, erinnert die „Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter“ (ACAT) daran, dass Jesus in diesem Sinn der Bruder aller Folteropfer und aller zum Tod Verurteilten ist.
So lädt die ACAT jedes Jahr zu Karfreitag Mitglieder und die breite Öffentlichkeit ein, der Männer, Frauen und Kinder zu gedenken, die heute misshandelt, gefoltert oder umgebracht werden.

[evtl. 1 Fall aus den Philippinen aus dem Gebetsblatt von April
 (Heike)

Am Weltgebetstag der Frauen, dem 4. März, haben wir Vieles über die Philippinen  gehört: die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse. Wir haben auch erfahren, dass die Menschenrechte vielfach nicht eingehalten werden. Nun hören wir ganz aktuell von …. ]

Karfreitagskampagne 2016
Heute befassen wir uns besonders mit der „Karfreitagskampagne“, die dieses Jahr die ACAT-Togo unterstützt, die sich gegen die Lynchjustiz in ihrem Land einsetzt.
Togo ist einer der kleinsten Staaten Afrikas, im Westen gelegen. Etwa die Hälfte der Bevölkerung bekennt sich zu Naturreligionen, rund 35% sind meist katholische Christen.
Vor 50 Jahren ist Togo zwar offiziell zur Republik ausgerufen worden, tatsächlich ist es eine Diktatur. Dem amtierenden Präsidenten Gnassingbé wird massiver Wahlbetrug vorgeworfen. Die Menschenrechte werden systematisch missachtet, Personen “verschwinden“, Verantwortliche werden häufig nicht zur Rechenschaft gezogen. Es gibt wenig und oft nur schlecht ausgebildete Richter und Anwälte. Die Schwäche des Justizsystems  und der fehlende politische Wille, dieses nachhaltig zu verbessern, führen zu einem Klima der Rechtsunsicherheit in der Bevölkerung. Auf diesem Boden gedeiht das Phänomen der Lynchjustiz. Die Bevölkerung bedient sich dieses Mittels, um sich selbst vor vermeintlichen Kriminellen zu schützen. Oftmals reicht der Ruf „Haltet den Dieb“, um einen Verdächtigen zusammenzuschlagen und ihn dann auf brutalste Weise umzubringen. In den Städten sind außer Diebstählen häufig auch Verkehrsdelikte Anlass zu Lynchmorden. Noch ausgeprägten ist die Lynchjustiz in den ländlichen Regionen Togos. Opfer sind dort vor allem Menschen, denen „schwarze Magie“ oder „Zauberei“ vorgeworfen wird.
Im Juni 2009 wurde die Todesstrafe in Togo offiziell abgeschafft. Faktisch wurde sie allerdings durch die Lynchpraxis ersetzt.

Wenn Sie bisher noch nicht an der Unterschriftenaktion an die Verantwortlichen in TOGO teilgenommen haben – die Listen liegen seit Mitte März in den Kirchen aus – dann können Sie das jetzt noch tun. Herzlichen Dank!

Währenddessen ein Taizé-Lied :  z.B. „Ubi caritas et amor“ Hal 158

Meditation Karfreitag 2017
Selbstjustiz und Versöhnung in der Passionsgeschichte – und heute
Ein verlässliches und unabhängiges Rechtssystem gehört zu den kostbarsten Ordnungen eines Staates. Überall gilt es, dazu Sorge zu tragen. Wir wissen auch aus unserem Lande, wie gefährlich es ist, wenn die Bevölkerung das Recht in die eigene Hand nehmen will. Angestachelt von aufreizenden Medienberichten meint man oft schnell, den Schuldigen gefunden zu haben und macht ihn fertig, ehe eine ordentliche Untersuchung stattgefunden hat. Die Berichte über Lynchjustiz in Togo und anderen Ländern sind erschütternd und rufen zum Protest. Dennoch dürfen wir nicht vorschnell den Stab brechen über Menschen, die in bitterer Armut und ohne Vertrauen in die Jus-tiz leben, und die sich hinreißen lassen, ihrer Wut und ihrer Verbitterung an noch schwächeren Opfern freien Lauf zu lassen!
Ist uns bewusst, dass uns diese Dynamik bereits in der Passionsgeschichte begegnet? Während Pilatus Jesus verhörte, hatte sich draußen „die Volksmenge“ versammelt. Die Mehrzahl von ihnen waren Menschen, die unter Armut und Rechtlosigkeit, unter Mangel, Hunger und damit verbundenen Krankheiten litten. Schon viele selbsternannte Erlöser hatten ihnen die Befreiung vom Joch ihrer Rechtlosigkeit versprochen, aber ihre Versprechen nicht eingelöst. War der Mann aus Nazareth trotz all seiner Wohltaten nicht auch einer dieser falschen Heilsversprecher? Warum war er jetzt wehrlos dem Machtapparat der Römer ausgeliefert? Pilatus ahnte die Spannung, die in der Luft lag, und die sich rasch auch gegen ihn wenden konnte. Er hatte keine Gründe für eine Verurteilung der Nazareners gefunden, spürte aber das Bedürfnis der Menge nach einem Sündenbock, und machte darum etwas zugleich Perfides und Gefährliches (Mt 27, 22-23): Er überlässt die Verurteilung dem Volke, und sogleich ertönt der verhängnisvolle Ruf: „Kreuzige ihn!“ Jesus wird ein Opfer der Schwäche der Justiz und der Verblendung des Volkes. Aber er ist nicht nur hilfloses Opfer, sondern er geht seinen Weg bewusst und legt den Anfang zur grundlegenden Wende, zu der er berufen ist. Am Kreuz hat er das entscheidende Wort gesprochen, das die verhängnisvolle Spirale der Gewalt durchbricht: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ (Lk 23, 34).
Jesus bittet um Vergebung für die Römer und für die Volksmenge, die seinen Weg noch nicht ver-stehen kann. Hätte doch die Christenheit diesen Ruf ernster genommen! Bald wurde der Ruf zur Versöhnung vergessen und man hat wieder nach Schuldigen gesucht. Der Ruf ‚ Kreuzige ihn!‘ wurde zum Anlass genommen, die Kette der Lynchjustiz fortzusetzen durch unsägliche Pogrome an den Juden, denen man die Schuld am Tode Jesu gab. So ruft die Besinnung auf den Karfreitag uns alle zur Umkehr. Gott ist es, der Gerechtigkeit schafft. Trennen wir uns vom Gedanken der Rache, und achten und schützen wir die, die nach menschlichem Ermessen Recht sprechen. Auf diesem festen Grunde können wir eintreten für die, die noch heute Opfer von Lynchjustiz werden. Stärken wir alle, die den Mut haben, sich diesem gefährlichen Sog entgegenzustellen.


Gebet und Fürbitten


Schenke uns Stille und Kraft, den Leidensweg Jesu neu zu bedenken. Zeige uns, wo wir zur Umkehr gerufen sind. Lass uns das Geschenk der Versöhnung dankbar empfangen und den Ruf zur Vergebung hören und gelten lassen. Vergib uns, wo wir unsere eigenen Schwächen verdrängen und vorschnell über andere urteilen. Verbinde uns mit allen, die weltweit aus diesem Glauben Kraft und Mut schöpfen.

„Bleibet hier und wachet mit mir“ Hal 96, 3x gesungen

Wir danken dir für das Vorrecht, in einem geordneten Rechtsstaat leben zu dürfen. Hilf uns, dazu Sorge zu tragen. Stärke die Richterinnen und Richter und alle, die im Rechts-vollzug arbeiten. Bewahre die Medienschaffenden und die Politiker und Politikerinnen da-vor, momentanen Stimmungen nachzugeben und das Recht der Mehrheit durchzusetzen. Zeige uns, wie wir für mehr Gerechtigkeit zwischen reichen und armen Ländern sorgen können, jedes an seinem Orte.

„Bleibet hier und wachet mit mir“

Wir bringen vor dich die Not der Menschen, die in Ländern ohne ein verlässliches Recht-system leben und die täglich der Willkür der Mächtigen und ihrer Vasallen ausgesetzt sind. Bewahre sie vor Willkür, aber auch vor dem Gift der Verbitterung und des Hasses. Schenke allen, die sich für Versöhnung und Gerechtigkeit einsetzen, die Kraft und den Mut deines Geistes.

„Bleibet hier und wachet mit mir“

Wir denken insbesondere an die Bevölkerung von Togo. Rufe die Machthaber zur Besinnung, dass sie die Güter des Landes gerechter verteilen, und wehre dem Missbrauch von Macht und dem Übel der Korruption. Wir bitten für die Kirchen und für alle Religionsgemeinschaften von Togo, dass sie nicht müde werden, die Botschaft der Versöhnung zu verkünden und glaubwürdig vorzuleben. Stärke alle, die den Mut haben, der Lynchjustiz entgegenzutreten, und gib allen, besonders den jungen Leuten, die Zivilcourage, im entscheidenden Moment festzustehen und nicht mitzumachen.
Bleibet hier und wachet mit mir“

Alternatives Glaubensbekenntnis (s. Liedblatt)

Lasst uns nun gemeinsam für den Frieden in aller Welt und in unserer Gemeinde, in unserem Haus, in jedem Einzelnen von uns das Alternative Vater unser beten (s. Liedblatt)

Unter dem Kreuz (Anette Feigs)

Maria

aufrecht
mitfühlend
mittragend
mitleidend

Maria

verkriecht sich nicht
in ihrem Schmerz
läuft nicht davon
voller Angst
weicht dem Kreuz
nicht aus

Maria

birgt den Geschundenen
in ihrem Schoß
hält den toten Sohn in ihren Armen

Pietà

Den Mut, standhaft zu sein, wenn das Leben uns herausfordert und die Kraft, Leid und Schmerzen auszuhalten – auch die unserer Nächsten – brauchen wir alle, besonders aber die Verfolgten und Gefolterten.

Wenden wir uns deshalb an die Gottesmutter mit dem etwas anderen Ave Maria, das auf dem Liedblatt steht:

Gegrüßet seist du Maria (s. Liedblatt)

Vorschlag für einen Segensspruch:

Wer im Vertrauen auf Gott sät, wird Segen ernten. Wo gebetet wird, fließt Segen.
Nicht mit Ellenbogen, sondern auf Knien kommt Segen in unser Leben.
So bitten wir Gott um seinen Segen für uns und alle die Menschen, die unter Gewalt und Krieg leiden.

So segne euch (Priester) der allmächtige Gott im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes.

(Wenn jemand von uns den Segen sagt, heißt es „So segne uns…)
Schlusslied: „Komm näher, Friede“ Hal 214

 

Denkt an die Gefangenen,
als ob ihr selbst mit ihnen im Gefängnis wärt.
Denkt an die Misshandelten,
als müsstet ihr ebenso leiden wie sie.

Hebr. 13,3

Was Sie tun können


Karfreitagsaktion 2017

- Essen-Byfang: Friedensgang mit Erfahrungsbericht
- Recke, St. Dionysius: Gründonnerstagsgebet mit Erfahrungsbericht

 

gebetswache2015
gebetswache web

In diesem Jahr wird zum 20. Mal die Nächtliche Gebetswache anläßlich des Internationalen Tags der Unterstützung der Folteropfer am 26. Juni durchgeführt.

Vorschlag der Gruppen Essen Byfang und Hattingen Niederwenigern, auch gern als Vorlage für eigene Gebetswachen verwendbar:
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Dritter Ökumenischer Kirchentag 2021

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Was machen Sie vom 12. bis 16. Mai 2021?
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