ACAT - Deutschland

Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter - Action des Chrétiens pour l’Abolition de la Torture

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Gambia: Todesstrafe

 


 Hintergrundinformationen

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Gambia: 1,7 Mio. Einwohner auf 11.295 km² Fläche, BSP/Einw. 320 $ (2004), Bevölkerung: ca. 44% Mandingo, 17,5% Fulbe, 12,3% Wolof, 7% Djola, 7% Sarakole u.a., Religion: 85% Muslime, 10% Christen indigene Religionen. Gambia hat den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte ratifiziert und das Übereinkommen gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe unterzeichnet.

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27 Jahre lang fanden im westafrikanischen Gambia keine Hinrichtungen statt. Doch am 19. und 20. August 2012 gab der gambische Präsident Yahya Jammeh bekannt, dass alle Todesurteile bis Mitte September „gemäß dem Gesetz vollstreckt“ werden sollen. In der Folge wurden acht Männer und eine Frau hingerichtet. Sie waren am Abend des 23. August aus ihren Zellen des Mile-2-Gefängnisses nahe der Hauptstadt Banjul geholt worden. Die Hinrichtungen wurden am 26. August im Geheimen vollzogen – weder die betroffenen Personen noch deren Familien wurden im Vorhinein darüber informiert.
Nach der offiziellen Bestätigung der Exekution der neun Häftlinge und der öffentlichen Ankündigung der Regierung, weitere Todesurteile vollstrecken zu wollen, war zunächst zu befürchten, dass mindestens 38 weiteren zum Tode verurteilten Personen unverzüglich die Hinrichtung droht. Kurz nach weltweiter massiver Kritik an der Wiederaufnahme der Hinrichtungen erklärte der gambische Präsident jedoch, dass er ein Moratorium verhänge, allerdings nur solange es nicht zu einem Anstieg der Kriminalitätsrate im Land komme. Somit bleibt eine Gefahr für alle zum Tode verurteilten Menschen bestehen.
Viele dieser Häftlinge wurden in unfairen Gerichtsverfahren schuldig befunden, in denen sie vermutlich keinen Zugang zu einem Rechtsbeistand oder einem umfassenden Berufungsverfahren hatten. Manche Verurteilungen gehen auf politisch motivierte Anklagen zurück. Es ist bekannt, dass die Verhängung der Todesstrafe in Gambia ein gängiges Mittel zur Unterdrückung oppositioneller Kräfte ist. Einige Personen wurden durch Folter oder andere Misshandlungen zu einem „Geständnis“ gezwungen. Andere wurden wegen „Hochverrats“ zum Tode verurteilt – was den völkerrechtlichen Bestimmungen zuwiderläuft, nach denen Todesurteile nur für Straftaten mit tödlichem Ausgang verhängt werden dürfen.
Die Haftbedingungen für zum Tode verurteilte Häftlinge sollen sehr schlecht sein und Berichten zufolge hat sich die Situation seit den jüngsten Hinrichtungen noch verschlimmert. Sicherheitskontrollen wurden verstärkt und alle Gefangenen sollen nun permanent eingeschlossen sein. Die Familienangehörigen der Gefangenen, die sich noch im Todestrakt befinden, erhalten keinen Zutritt zum Gefängnis und können nicht mit den Häftlingen kommunizieren. Die Haftbedingungen in Gambias Gefängnissen werden von Amnesty International allgemein als extrem schlecht eingestuft. Im Zentralgefängnis Mile-2, das durch Überbelegung, Mängel bei den sanitären Einrichtungen und unzureichende Ernährung gekennzeichnet ist, erfüllen sie sogar den Tatbestand grausamer, unmenschlicher und erniedrigender Behandlung.
Schon in der Vergangenheit hatte es Ankündigungen gegeben, wieder die Todesstrafe zu vollstrecken. Am 21. September 2009 soll der Staatspräsident gedroht haben, jeden zu töten, der die Absicht habe, das Land zu destabilisieren. Er richtete eine besondere Warnung an Menschenrechtsverteidiger sowie an diejenigen, die mit ihnen zusammenarbeiten. Zwei Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen kritisierten die Äußerungen des Präsidenten als inakzeptabel und erklärten, er verstoße damit gegen alle Menschenrechtsverträge, die Gambia ratifiziert habe.
Die jüngsten Hinrichtungen wurden von zahlreichen Menschenrechtsorganisationen und -bündnissen, darunter der Weltkoalition gegen die Todesstrafe, verurteilt. Auch die FIACAT, die das ACAT-Netzwerk im Leitungskomitee der Weltkoalition vertritt, fordert die Einrichtung eines Moratoriums mit dem Ziel der vollständigen Abschaffung der Todesstrafe.

Mit beiliegendem Appell rufen wir daher den Präsidenten von Gambia dazu auf, keine weiteren Hinrichtungen durchzuführen.

 

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Brieftext

Bitte schreiben Sie an den Präsidenten der Republik Gambia und senden Sie eine Kopie an den Botschafter in Brüssel/Belgien. Der unterschriftsfertige Brief kann wörtlich oder inhaltlich genutzt werden – bitte bleiben Sie höflich. Die Adressen sind der Vorlage zu entnehmen (Porto nach Gambia und Belgien je 0,75 EUR). Bearbeitung möglichst innerhalb von 10 Tagen nach Erhalt dieser Sendung, spätestens bis zum 30.10.2012. [Fax-Nr. der Botschaft: 0032/26463277, S.E. Herrn Mamour A. Jagne, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!]

 

Captain (retd.) Alhaji Yahya A. J. J. Jammeh
President and Minister of Defence
Office of the President
State House
Banjul
REPUBLIC OF THE GAMBIA


Sehr geehrter Herr Präsident,

mit Bestürzung habe ich von der Hinrichtung von neun zum Tode verurteilten Personen am 26. August 2012 in Gambia erfahren.
Wie die Menschenrechtsorganisation ACAT-Deutschland berichtet, wurden die Hinrichtungen im Geheimen vollzogen. Im Widerspruch zu völkerrechtlichen Bestimmungen zur Anwendung der Todesstrafe sind weder die Häftlinge selbst noch deren Familienangehörige zuvor über die bevorstehenden Exekutionen informiert worden.
Darüber hinaus bereitet es mir große Sorge, dass zahlreiche Gefangene in unfairen Gerichtsverfahren zum Tode verurteilt worden sind, in denen sie keinen Zugang zu einem Rechtsbeistand oder einem umfassenden Berufungsverfahren gehabt haben.
Daher appelliere ich an Sie, alle Fälle, in denen Todesurteile verhängt wurden, eingehend prüfen zu lassen und faire Gerichtsverfahren für alle zum Tode verurteilten Häftlinge zu garantieren.

In der Überzeugung, dass die Todesstrafe grausam, unmenschlich und erniedrigend ist, ersuche ich Sie, unter keinen Umständen weitere Exekutionen vorzunehmen und unverzüglich ein uneingeschränktes Hinrichtungsmoratorium zu beschließen mit dem Ziel der vollständigen Abschaffung der Todesstrafe.

Gestatten Sie mir abschließend, die Bitte vorzubringen, den zum Tode verurteilten Menschen in der Haft permanent eine angemessene medizinische Versorgung, eine ausreichende Versorgung mit Nahrung sowie Zugang zu Rechtsanwälten und Familienangehörigen zu ermöglichen.

Für die Aufmerksamkeit, die Sie meinem Anliegen entgegenbringen, danke ich Ihnen.

Mit hochachtungsvollem Gruß

 

 

Als Kopie mit der Bitte um Hilfe an:
S.E. Monsieur l’Ambassadeur Mamour A. Jagne
Ambassade de la République de Gambie
126, Ave, Franklin Roosevelt
B-1050 Bruxelles

BELGIQUE

 

Exzellenz,
mit unten stehendem Schreiben wende ich mich an den Staatspräsidenten der Republik Gambia, um ihm meine Besorgnis über die Wiederaufnahme von Hinrichtungen mitzuteilen. Sehr dankbar wäre ich Ihnen, wenn Sie mich über mögliche Maßnahmen zur Abschaffung der Todesstrafe und zur Verbesserung der Haftbedingungen der zum Tode verurteilten Menschen informieren könnten.

Mit hochachtungsvollem Gruß



Zum Download als Word-Datei

 

 

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Kolumbien: Luz Elsia Almanza Suárez u.a., Morddrohungen

 


 Hintergrundinformationen

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Kolumbien: 44,9 Mio. Einwohner auf 1.141.748 km² Fläche, BSP/Einw. 2020 $ (2004), 58% Mestizen, 20% Weiße, 14% Mulatten, 4% Schwarze, 3% Zambos, 20.000 Ureinwohner, Religion: 92% Katholiken, Minderheiten von Protestanten und Juden. Kolumbien hat den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte sowie das Übereinkommen gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe ratifiziert.

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Die Vereinigung der Familienangehörigen „Verschwundener“, ASFADDES (Asociación de Familiares de Detenidos Desaparecidos - ASFADDES), ist eine landesweit arbeitende Menschenrechtsorganisation. Die Organisation wurde von Angehörigen von „Verschwundenen“ gegründet und setzt sich dafür ein, deren Schicksal aufzuklären; sowie die Verantwortlichen zu ermitteln und sie vor Gericht zu stellen.
Luz Elsia Almanza Suárez leitet das Büro von ASFADDES in Barrancabermeja, seit es nach einer vorübergehenden Schließung aus Sicherheitsgründen Ende 2008 wiedereröffnet wurde. Gemeinsam mit anderen ASFADDES-Mitgliedern in Barrancabermeja versucht sie, etwas über den Verbleib ihrer Angehörigen in Erfahrung zu bringen.
Aktuell wird sie von Paramilitärs bedroht. Am 4. September 2012 machten zwei Männer von einem Motorrad aus Fotos von ihr und ihrer Mutter. Am selben Tag parkten zwei Männer auf einem weiteren Motorrad vor dem Haus der Menschenrechtlerin in Barrancabermeja und beobachteten es mehrere Minuten lang.
Am 6. September erhielt Luz Elsia Almanza eine SMS-Nachricht der paramilitärischen Gruppierung Los Urabeños. In der Kurznachricht wurde sie aufgefordert, ihre Kampagnenarbeit für die Aufklärung des „Verschwindenlassens“ und der Ermordung von John Jairo Amador Valencia einzustellen. Weiter hieß es in der Nachricht: „Wir wissen, wo du wohnst, wir wissen, wo du bist, ASFADDES-Koordinatorin Luz Almanza“. Luz Elsia Almanza hat angegeben, nach dieser Drohung weiterhin verfolgt zu werden.
Zwei Tage nach seinem „Verschwinden“ war am 22. Mai 2012 in dem kleinen Dorf Tenerife in Barrancabermeja der Leichnam von John Jairo Amador Valencia gefunden worden. Man hatte ihm Hände und Füße gefesselt.
Die Tötung folgte auf den Jahrestag des „Verschwindens“ seines Vetters in Barrancabermeja, der gemeinsam mit 24 weiteren Personen am 16. Mai 1998 „verschwunden“ war. Als John Jairo Amador Valencia am 20. Mai 2012 vermisst gemeldet wurde, sollen die MitarbeiterInnen der örtlichen Generalstaatsanwaltschaft unwillig gewesen sein, umgehend den für solche Umstände vorgesehenen Notfallsuchmechanismus zu aktivieren.

In jüngster Zeit haben die Drangsalierungen und Drohungen gegen ASFADDES-Mitglieder auch in anderen Landesteilen wieder zugenommen. Betroffen sind vor allem ASFADDES-MitarbeiterInnen in der Hauptstadt Bogotá und in Medellín.

Während des seit 40 Jahren andauernden bewaffneten Konflikts in Kolumbien sind die Mitglieder von Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften und anderen sozialen Organisationen wiederholt Opfer von Drohungen, „Verschwindenlassen“ und Tötungen geworden. Die paramilitärischen Gruppen wurden eigentlich ab 2003 in einem von der Regierung unterstützten Prozess demobilisiert. Doch die Drohungen gegen Menschenrechtsorganisationen und Gewerkschaften in Barrancabermeja und anderenorts zeigen, dass paramilitärische Gruppen weiter aktiv sind.

 

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Brieftext

Bitte schreiben Sie an den Präsidenten der Republik Kolumbien und senden Sie eine Kopie an den Botschafter in Berlin. Der unterschriftsfertige Brief kann wörtlich oder inhaltlich genutzt werden – bitte bleiben Sie höflich. Die Adressen sind der Vorlage zu entnehmen (Porto 0,75 EUR). Bearbeitung möglichst innerhalb von 10 Tagen nach Erhalt dieser Sendung, spätestens bis zum 29.10.2012. [Fax-Nr. der Botschaft: 030/26396125, S.E. Herrn Juan Mayr Maldonado, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!]

 

Sr. Juan Manuel Santos
Presidente de la República de Colombia
Palacio de Nariño, Carrera 8 No. 7-26
Bogotá D. C.

KOLUMBIEN



Sehr geehrter Herr Präsident,

in großer Sorge um die Sicherheit von Frau Luz Elsia Almanza Suárez, Koordinatorin der Menschen­rechtsorganisation ASFADDES (Asociación de Familiares de Detenidos Desaparecidos) in Barrancabermeja, wende ich mich an Sie.
Von der ACAT-Deutschland habe ich erfahren, dass die Menschenrechtsverteidigerin gegenwärtig von der paramilitärischen Gruppierung Los Urabeños bedroht wird. Am 4. September 2012 machten zwei unbekannte Männer von einem Motorrad aus Fotos von ihr und ihrer Mutter. Am 6. September erhielt sie auf ihrem Mobiltelefon eine Nachricht mit der Forderung, ihre Kampagnenarbeit für die Aufklärung des „Verschwindenlassens“ und der Ermordung von Herrn John Jairo Amador Valencia zu beenden. Dieser war am 20. Mai 2012 verschwunden. Zwei Tage später wurde sein Leichnam im Dorf Tenerife in Barrancabermeja aufgefunden. Seine Hände und Füße waren gefesselt.

Aufgrund dieser Vorkommnisse ersuche ich Sie:

  • Frau Luz Elsia Almanza Suárez, ihrer Mutter und Familienangehörigen sowie weiteren betrof­fenen Mitgliedern von ASFADDES den erforderlichen Schutz vor Gewalt zu gewähren;
  • die Drohungen zum Gegenstand unabhängiger Untersuchungen zu machen, die Ergebnisse zu veröffentlichen und Ermittlungen gegen die mutmaßlichen Täter aufzunehmen;
  • Ihren Einfluss geltend zu machen, dass das „Verschwindenlassen“ und die Ermordung von Herrn John Jairo Amador Valencia eine vollständige Aufklärung erfährt;
  • gemäß den Empfehlungen der Vereinten Nationen umgehend Maßnahmen zur Auflösung der paramilitärischen Gruppen zu ergreifen und ihre Verbindungen zu Sicherheitskräften zu lösen.

In der Hoffnung auf Ihre Unterstützung in dieser Angelegenheit verbleibe ich

mit hochachtungsvollem Gruß

 

 

Als Kopie mit der Bitte um Hilfe an:
S.E. Herrn Juan Mayr Maldonado
Botschaft der Republik Kolumbien
Kurfürstenstr. 84
10787 Berlin

 

Exzellenz,

mit unten stehendem Schreiben, das ich Ihnen als Kopie übermittle, wende ich mich an den Staatspräsidenten der Republik Kolumbien, um ihn wegen der Bedrohung von Angehörigen der Menschenrechtsorganisation ASFADDES um Unterstützung zu bitten. Mit hochachtungsvollem Gruß

 



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Denkt an die Gefangenen,
als ob ihr selbst mit ihnen im Gefängnis wärt.
Denkt an die Misshandelten,
als müsstet ihr ebenso leiden wie sie.

Hebr. 13,3

Was Sie tun können

 

Menschenrechte auf dem Rückzug

Titelbild Seminar

Bei der Tagung der Katholischen Akademie Schwerte in Zusammenarbeit mit der ACAT Deutschland (14. - 16.09.2018) wird das Thema Menschenrechte in Zeiten von Populismus und Extremismus beleuchtet. Einzelheiten des Programms entnehmen Sie bitte dem angehängten Flyer.
Anmeldung direkt bei der Katholischen Akademie Schwerte hier.

 

gebetswache2015
gebetswache web

Nächtliche Gebetswache für Folteropfer

Die ACAT-Gruppe auf der Ruhrhalbinsel hält die Gebetswache seit Jahren in 2 Kirchen (kath. und evang.) und geht zu Fuß von der einen zur anderen. Deshalb teilt sie das Thema in 2 Teile auf, betet in jeder Kirche für 5 der 10 Folteropfer und lässt jeweils einen Unterstützerbrief schreiben. Nutzen Sie den angehängten Ablauf gern auch für Ihren Gottesdienst / Ihr Gebet.
 
Weitere Informationen hier.

Erfahrungen Ruhrhalbinsel Essen hier lesen


Ein Gespür für die Unterdrückten

Die Zeitschrift "Lebenslauf" (Bundesverlag, Witten) hat den bisherigen Lebensweg von
Magdalena Marx, der sehr eng mit dem Weg der ACAT Deutschland verknüpft ist, in einem eindruckvollen Artikel nachgezeichnet.


Filmhinweis
"Exodus - Der weite Weg"
Filmtipp

Der Film beschreibt die globale Dimension des Flüchtlings- und Migrationsthemas durch die Perspektiven der porträtierten Menschen aus vier Kontinenten über einen Zeitraum von zwei Jahren.
Ende März / Anfang April in ausgewählten Kinos.

Spielplan und Trailer: hier


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