ACAT - Deutschland

Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter - Action des Chrétiens pour l’Abolition de la Torture

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Dringlichkeitsaktion 06/12 – Ägypten: George Ramzi Nakhla, Misshandlungen

 


 Hintergrundinformationen

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Ägypten: 75,4 Mio. Einwohner auf 1.002.000 km2 Fläche, BSP/Einw. 1.580 $ (2007), Bevölkerung: 99% Araber, Minderheiten von Nubiern, Beduinen, Berbern, Beja u.a., Religion: über 80% Muslime (fast ausschließlich Sunniten), 15% Kopten sowie weitere Minderheiten von Christen und von Juden, Islam ist Staatsreligion. Die Arabische Republik Ägypten hat den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte unddas Übereinkommen gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe ratifiziert.

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Am 1. Februar 2012 ereigneten sich in der ägyptischen Hafenstadt Port Said nach einem Fußballspiel schwere Gewaltakte im Stadion. Fans des Fußballvereins Al-Masry und der Mannschaft Al-Ahly gerieten aneinander. Mehr als 70 Menschen starben, 1000 wurden verletzt. Anhänger von Al-Ahly sprechen von gezielten Angriffen durch Fans der Gegenmannschaft mit zersplitterten Flaschen und Feuerwerkskörpern. An den Protesten gegen den im Februar 2011 zurückgetretenen Staatspräsidenten Mubarak waren zahlreiche Al-Ahly-Fans beteiligt. Nun vermuten einige von ihnen hinter den Auseinandersetzungen gezielte Provokationen mit politischem Hintergrund oder gar mit Unterstützung durch den regierenden Militärrat.
In den Tagen nach der Gewalt im Stadion kam es in der Hauptstadt Kairo zu Zusammenstößen zwischen Protestierenden und Sicherheitskräften. Die Ausschreitungen fanden auf der Mohamed Mahmoud Straße, die auf das Innenministerium zuführt, statt.
Am 6. Februar 2012 wurde dort George Ramzi Nakhla gegen 6.30 Uhr festgenommen. Der 22-Jährige arbeitet in einem Geschäft für Autoersatzteile und gehört der Jugendprotestbewegung „6. April“ an. Die Bewegung organisiert in der Kairoer Innenstadt Demonstrationen für Demokratie. Vor seiner Festnahme soll George Ramzi Nakhla geholfen haben, die bei den Ausschreitungen Verletzten zu einem Feldlazarett in der Nähe des Tahrir-Platzes zu bringen. Gleich nachdem die Sicherheitskräfte einen dreistündigen Waffenstillstand mit den Protestierenden gebrochen hatten und die Bereitschaftspolizei Tränengas auf die Menge geschossen hatte, wurde er in ein gepanzertes Fahrzeug der Bereitschaftspolizei gesetzt. Die Polizei brachte ihn zum Innenministerium und später zur nahegelegenen Polizeiwache Abdeen. Um 20.00 Uhr führte man ihn der Staatsanwaltschaft von Abdeen vor, die eine viertägige Inhaftierung wegen angeblicher Sachbeschädigung, tätlichen Angriffs auf einen Staatsbediensteten in Ausübung seines Amtes und Behinderung des Verkehrs anordnete. Am 9. Februar verlängerte die Staatsanwaltschaft die Haft um weitere 15 Tage. Der Aktivist wurde in das Tora-Gefängnis im Süden Kairos gebracht.
George Ramzi Nakhla scheint sowohl auf der Wache als auch im Tora-Gefängnis misshandelt worden zu sein. Als er am 6. Februar der Staatsanwaltschaft vorgeführt wurde, bemerkten ZeugInnen im Gesicht und um die Augen herum Blutergüsse und eine Beinverletzung, die ihn hinken ließ. Am 9. Februar untersuchte ein Arzt George Ramzi Nakhla und räumte ein, dass er möglicherweise innere Blutungen im Auge und einen Bruch in einem Bein und im Rücken habe. Außerdem sah der Arzt weitere Hämatome auf George Ramzi Nakhlas Rücken. Obwohl die Staatsanwaltschaft am 6. Februar seine Untersuchung durch einen Gerichtsmediziner angeordnet hatte, fand die Untersuchung erst am 15. Februar statt. Im Gefängnis soll dem Gefangenen zudem die medizinische Versorgung seiner Verletzungen vorenthalten worden zu sein. Laut Amnesty International (AI) ist zu befürchten, dass George Ramzi Nakhla allein wegen der friedlichen Ausübung seines Rechtes auf freie Meinungsäußerung inhaftiert worden ist.
2011 hat er während der Mubarak-Herrschaft und unter dem jetzigen Militärregime bereits an zahlreichen Protesten teilgenommen. Bei einer Demonstration gegen die Diskriminierung von Kopten, der christlichen Minderheit in Ägypten, wurde er im Oktober 2011 von Militärangehörigen geschlagen.

Auch ein Jahr nach dem Rücktritt Mubaraks sind Angehörige der Demokratiebewegung in großer Gefahr, auf der Straße oder bei Festnahmen massive Gewalt zu erleiden. AI hat zahlreiche Fälle von Folter an inhaftierten Männern und Frauen dokumentiert. Polizei und Sicherheitskräfte foltern Gefangene – insbesondere auch im Tora-Gefängnis – mit Schlägen, Elektroschocks und sexuellen Übergriffen.

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Brieftext

Bitte schreiben Sie an den Generalstaatsanwalt der Arabischen Republik Ägypten und senden Sie eine Kopie an den Botschafter in Berlin. Der unterschriftsfertige Brief kann wörtlich oder inhaltlich genutzt werden – bitte bleiben Sie höflich. Die Adressen sind der Vorlage zu entnehmen (Porto 0,75 EUR). Bearbeitung innerhalb von 10 Tagen nach Erhalt dieser Sendung, spätestens bis zum 31.03.2012 .[Fax-Nr. der Botschaft: 030/4771049, S.E. Herrn Ramzy Ezz Eldin Ramzy; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!]

 

Counsellor Abd El-Megeed Mahmoud
Dar al-Qadha al-'Ali
Ramses Street
Cairo
ÄGYPTEN

 


Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt,

gestatten Sie mir, Ihnen meine große Sorge über die Festnahme des 22 Jahre alten Herrn George Ramzi Nakhila vorzutragen.
Dieser wurde am 6. Februar 2012 gegen 6.30 Uhr in Kairo in der Mohamed Mahmoud Straße verhaftet.
Dort war es aufgrund der Ereignisse nach dem Fußballspiel vom 1. Februar 2012 in Port Said mit über 70 Toten zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen.
Herr George Ramzi Nakhila soll Berichten zufolge geholfen haben, Verletzte zu einem Feldlazarett in der Nähe des Tahrir-Platzes zu tragen.
Angehörige der Bereitschaftspolizei brachten ihn nach seiner Festnahme zunächst zum Innenministerium und daraufhin zur Polizeiwache Abdeen. Um 20.00 Uhr führte man ihn der Staatsanwaltschaft von Abdeen vor, die eine viertägige Inhaftierung wegen des Vorwurfs der Sachbeschädigung, tätlichen Angriffs auf einen Staatsbediensteten in Ausübung seines Amtes und Behinderung des Verkehrs anordnete. Am 9. Februar verlängerte die Staatsanwaltschaft seine Haft um weitere 15 Tage. George Ramzi Nakhila wurde in das Tora-Gefängnis im Süden Kairos gebracht.
Zahlreiche schwere Verletzungen sowie Blutergüsse, die bei dem Gefangenen festgestellt wurden, deuten darauf hin, dass er in Gewahrsam massiv misshandelt worden ist.
Daher ersuche ich Sie, umgehend eine unparteiische und unabhängige Untersuchung der mutmaßlichen Misshandlungen auf der Polizeiwache Abdeen und im Tora-Gefängnis zu veranlassen. Ebenso bitte ich Sie, Ihren Einfluss geltend zu machen, dass der Gefangene in der Haft permanenten Schutz vor jeder Art von Folter und Misshandlung erhält. Sollte Herr George Ramzi Nakhla allein aufgrund der friedlichen Ausübung seines Rechtes auf Versammlungsfreiheit inhaftiert worden sein, appelliere ich an Sie, seine unverzügliche und bedingungslose Freilassung zu verfügen.

Für die Aufmerksamkeit, die Sie meinem Anliegen entgegenbringen, danke ich Ihnen.
Mit hochachtungsvollem Gruß

 

Als Kopie mit der Bitte um Hilfe an:
S.E. Herrn Ramzy Ezz Eldin Ramzy
Botschaft der Arabischen Republik Ägypten
Stauffenbergstraße 6-7
10785 Berlin

 

S.E. Herrn Ramzy Ezz Eldin Ramzy
Botschaft der Arabischen Republik Ägypten
Stauffenbergstraße 6-7
10785 Berlin

Exzellenz,
mit unten stehendem Schreiben, das ich Ihnen als Kopie zusende, möchte ich den Generalstaatsanwalt der Arabischen Republik Ägypten auf die Situation des Inhaftierten Herrn George Ramzi Nakhila aufmerksam machen und darum bitten, sich dessen Schicksal anzunehmen. Gestatten Sie mir, darüber hinaus die Bitte an Sie vorzubringen, mich über die zur Aufklärung der im Brief erwähnten Misshandlungsvorwürfe unternommenen Anstrengungen zu informieren. Mit hochachtungsvollem Gruß



Zum Download als Word-Datei


Denkt an die Gefangenen,
als ob ihr selbst mit ihnen im Gefängnis wärt.
Denkt an die Misshandelten,
als müsstet ihr ebenso leiden wie sie.

Hebr. 13,3

Was Sie tun können

 

Menschenrechte auf dem Rückzug

Titelbild Seminar

Bei der Tagung der Katholischen Akademie Schwerte in Zusammenarbeit mit der ACAT Deutschland (14. - 16.09.2018) wird das Thema Menschenrechte in Zeiten von Populismus und Extremismus beleuchtet. Einzelheiten des Programms entnehmen Sie bitte dem angehängten Flyer.
Anmeldung direkt bei der Katholischen Akademie Schwerte hier.

 

gebetswache2015
gebetswache web

Nächtliche Gebetswache für Folteropfer

Die ACAT-Gruppe auf der Ruhrhalbinsel hält die Gebetswache seit Jahren in 2 Kirchen (kath. und evang.) und geht zu Fuß von der einen zur anderen. Deshalb teilt sie das Thema in 2 Teile auf, betet in jeder Kirche für 5 der 10 Folteropfer und lässt jeweils einen Unterstützerbrief schreiben. Nutzen Sie den angehängten Ablauf gern auch für Ihren Gottesdienst / Ihr Gebet.
 
Weitere Informationen hier.

Erfahrungen Ruhrhalbinsel Essen hier lesen


Ein Gespür für die Unterdrückten

Die Zeitschrift "Lebenslauf" (Bundesverlag, Witten) hat den bisherigen Lebensweg von
Magdalena Marx, der sehr eng mit dem Weg der ACAT Deutschland verknüpft ist, in einem eindruckvollen Artikel nachgezeichnet.


Filmhinweis
"Exodus - Der weite Weg"
Filmtipp

Der Film beschreibt die globale Dimension des Flüchtlings- und Migrationsthemas durch die Perspektiven der porträtierten Menschen aus vier Kontinenten über einen Zeitraum von zwei Jahren.
Ende März / Anfang April in ausgewählten Kinos.

Spielplan und Trailer: hier


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