ACAT - Deutschland

Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter - Action des Chrétiens pour l’Abolition de la Torture

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Dringlichkeitsaktion 09/12 – Togo:Jil-Benoît Kossi Afangbedji u.a, Sorge um Sicherheit

 


 Hintergrundinformationen

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Togo: 6,5 Mio. Einwohner auf 56.785 km² Fläche, BSP/Einw. 360 $ (2007), Bevölkerung: v.a. Kwa-Völker (22% Ewe, 10% Watchi) und Gur-Völker (13% Kabyé, Temba, Mopa, Gurma und Losso), Hausa, Fulbe, 4.000 Franzosen, Religion: 50% Anhänger indigener Religionen, 30% Christen (24% Katholiken, 6% Protestanten), 15-20% Muslime. Die Republik Togo hat den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte und das Übereinkommen gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe ratifiziert.

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Der Vorsitzende und der Generalsekretär der ACAT-Togo, Jil-Benoît Kossi Afangbedji und Pierre Claver Dekpoh, werden aktuell eingeschüchtert und bedroht. Es besteht Anlass zu großer Sorge um die Sicherheit der ACAT-Mitglieder in dem westafrikanischen Land.
Die Einschüchterungen stehen offensichtlich im Zusammenhang mit öffentlichen Äußerungen der beiden Menschenrechtsverteidiger zu Foltervorwürfen gegen den togolesischen Geheimdienst ANR.
Als sich Jil-Benoît Kossi Afangbedji am 20. April 2012 bei einem Presseforum im Fernsehen zu Wort meldete, wurde die Ausstrahlung unterbrochen und sofort ohne Angabe von Gründen durch einen Film ersetzt. Am selben Tag haben zwei Unbekannte gegen 20.30 Uhr in einem Auto mit getönten Scheiben und ohne Kennzeichen vor dem Anwaltsbüro des ACAT-Vorsitzenden gehalten. Sie forderten von dem Bürovorsteher Einlass in das Gebäude, um Herrn Afangbedji aufzusuchen. Der Mitarbeiter antwortete jedoch, dass die Kanzlei geschlossen sei und der Rechtsanwalt zu Hause sein müsse. Daraufhin verlangten die beiden Männer, er solle sie dorthin begleiten. Als der Bürovorsteher erklärte, er kenne nicht die Adresse, drohten sie ihm: „Wir werden ihn suchen und wenn wir ihn nicht finden, werden wir wiederkommen, um dich mitzunehmen“.
Am 25. April 2012 fuhren zwei unbekannte Männer in einem Auto mit nigerianischem Kennzeichen zum früheren Wohnhaus des ACAT-Generalsekretärs, Pierre Claver Dekpoh, und fragten nach ihm, ohne eine Nachricht für ihn zu hinterlassen.
Zuvor ist es bereits zu Drohungen gegen andere Menschenrechtsverteidiger gekommen, die sich zusammen mit ACAT in dem Bündnis aus Nichtregierungsorganisationen „Sauvons le Togo“ („Wir retten Togo“) engagieren. Sie alle hatten sich besorgt über die Umstände der Veröffentlichung eines Untersuchungsberichts zur Aufklärung von Foltervorwürfen gegen den Geheimdienst geäußert.
Die Ereignisse haben folgenden Hintergrund: Im Herbst 2011 waren in Togo 33 Personen wegen angeblicher Gefährdung der Sicherheit des Staates inhaftiert worden. Die Anschuldigungen bezogen sich auf das Jahr 2009, in dem sie einen Umsturz geplant haben sollen. Später erklärten die Verdächtigen, in der Haft vom Geheimdienst und von der Gendarmerie gefoltert worden zu sein. Daraufhin beauftragte die Regierung die Nationale Menschenrechtskommission mit einer unabhängigen Untersuchung. Doch bevor diese ihren Abschlussbericht veröffentlichen konnte, präsentierten togolesische Behörden am 18. Februar 2012 das angebliche Gutachten der Kommission. Demnach hätten die Inhaftierten keine Folter in Gewahrsam erlitten.
Am 20. Februar gab die Menschenrechtskommission die Veröffentlichung ihres tatsächlichen Berichts bekannt, den sie auch im Internet bereitstellte. Darin heißt es, dass Gefangene u.a. physischer Gewalt unmenschlicher und erniedrigender Art unterworfen worden seien. Unmittelbar nach dieser Veröffentlichung erhielt der Kommissionsvorsitzende Morddrohungen, die ihn zur Flucht mit seiner Familie nach Paris veranlassten. Später erklärte er, dass die erste Version des Berichts eine Fälschung gewesen sei, die die Regierung unter Druck veröffentlicht habe.

Bereits im Februar hatten FIACAT und ACAT-Togo in einer Pressemeldung ihre Beunruhigung darüber mitgeteilt. Beide Organisationen beklagen ein Wiederaufkommen der Folter in jüngster Zeit. Sie haben mehrfach gefordert, dass Folter im togolesischen Strafgesetzbuch endlich explizit als Verbrechen definiert wird. So lange dies nicht geschehe, werde die Prävention und Ahndung von Folter wesentlich erschwert.

mai

Brieftext

Bitte schreiben Sie an den Staatspräsidenten der Republik Togo und senden Sie eine Kopie an den Botschafter in Berlin. Der Wortlaut des Briefes sollte unverändert bleiben. Die Adressen sind der Vorlage zu entnehmen (Porto 0,75 EUR). Bearbeitung möglichst innerhalb von 10 Tagen nach Erhalt dieser Sendung, spätestens bis zum 22.05.2012. [Fax-Nr. der Botschaft: 030/49908967, S.E. Herrn Essohanam Comla Paka; Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!]

 

S.E.M. Faure Gnassingbé

Président de la République

Palais présidentiel, Avenue de la Marina
Lomé
TOGO

 

Exzellenz,

in großer Sorge um die Sicherheit des Vorsitzenden und des Generalsekretärs der Menschenrechtsorganisation ACAT-Togo, Herrn Jil-Benoît Kossi Afangbedji und Herrn Pierre Claver Dekpoh, wende ich mich an Sie.
Wie ich von der ACAT-Deutschland erfahren habe, haben zwei unbekannte Männer am 20. April 2012 das Anwaltsbüro von Herrn Jil-Benoît Kossi Afangbedji aufgesucht. Als sie den Rechtsanwalt dort nicht antrafen, verlangten sie von einem Büromitarbeiter Auskunft über seinen Aufenthaltsort.
Diesen bedrohten sie mit den Worten: „Wir werden ihn suchen und wenn wir ihn nicht finden, werden wir wiederkommen, um dich mitzunehmen“.
Am 25. April 2012 fuhren zwei ebenfalls nicht identifizierte Männer in einem Auto mit nigerianischem Kennzeichen zum früheren Wohnsitz von Herrn Pierre Claver Dekpoh und verlangten, ihn zu sprechen. Sie hinterließen keine Nachricht für den Abwesenden.
Diese Vorfälle stehen im Zusammenhang mit Drohungen gegen weitere Menschenrechtsverteidiger des Bündnisses „Sauvons le Togo“, dem auch ACAT-Togo angehört. Das Bündnis hatte seine Sorge hinsichtlich der Umstände der Veröffentlichung eines Berichts zur Aufklärung von Foltervorwürfen gegen Angehörige des Geheimdiensts ANR (l’Agence nationale togolaise de renseignements) geäußert.

Exzellenz, ich ersuche Sie hiermit, gemäß Art. 12 § 2 der Erklärung der UN-Generalversammlung zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern die körperliche und psychische Integrität von Herrn Jil-Benoît Kossi Afangbedji und Herrn Pierre Claver Dekpoh sowie von allen anderen Menschenrechtsverteidigern in Togo sicherzustellen. Auch bitte ich um den Schutz des oben erwähnten Büromitarbeiters.
Schließlich appelliere ich an Sie, die genannten Einschüchterungen und Drohungen zum Anlass einer unabhängigen Untersuchung zu nehmen und die Verantwortlichen in einem fairen Prozess nach internationalen Standards zur Rechenschaft zu ziehen.

Für die Aufmerksamkeit, die Sie meinem Anliegen entgegenbringen, danke ich Ihnen.
Mit vorzüglicher Hochachtung

 

Als Kopie mit der Bitte um Hilfe an:

S.E. Herrn Essohanam Comla Paka
Botschaft der Republik Togo
Grabbeallee 43
13156 Berlin

 

Exzellenz,
mit unten stehendem Schreiben, das ich Ihnen als Kopie übersende, möchte ich den Präsidenten der Republik Togo, Seine Exzellenz Herrn Faure Gnassingbé, auf die gegenwärtige Bedrohung von Menschenrechtsverteidigern aufmerksam machen und darum bitten, sich deren Schicksal anzunehmen.
Mit hochachtungsvollem Gruß

 


Zum Download als Word-Datei


Denkt an die Gefangenen,
als ob ihr selbst mit ihnen im Gefängnis wärt.
Denkt an die Misshandelten,
als müsstet ihr ebenso leiden wie sie.

Hebr. 13,3

Was Sie tun können


Ein Gespür für die Unterdrückten

Die Zeitschrift "Lebenslauf" (Bundesverlag, Witten) hat den bisherigen Lebensweg von
Magdalena Marx, der sehr eng mit dem Weg der ACAT Deutschland verknüpft ist, in einem eindruckvollen Artikel nachgezeichnet.


Filmhinweis
"Exodus - Der weite Weg"
Filmtipp

Der Film beschreibt die globale Dimension des Flüchtlings- und Migrationsthemas durch die Perspektiven der porträtierten Menschen aus vier Kontinenten über einen Zeitraum von zwei Jahren.
Ende März / Anfang April in ausgewählten Kinos.

Spielplan und Trailer: hier


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ACAT auf dem Katholikentag 2018 in Münster:
Wie schon sehr häufig, wird die ACAT auch in diesem Jahr wieder auf dem Katholikentag in Münster vertreten sein.

10. – 12.05.2018 auf der Kirchenmeile (Schlossplatz, Stand-Nr. HW-38). Unser Stand ist leicht über den Eingang Gerichtsstraße zu erreichen, befindet sich im Bereich „Hilfswerke und Globale Verantwortung“, Areal „Süd“ der Kirchenmeile.

11.05.2018 um 8:00 Uhr Morgengebet, Euthymia-Kapelle, Loerstraße, Stadtzentrum
Bei beiden Veranstaltungen sind Sie sehr herzlich willkommen, wir freuen uns über jeden, der seine Solidarität mit unseren Anliegen auch auf diese Weise und an diesem Ort zum Ausdruck bringt!!

Der Katholikentag findet statt vom 09. - 13.05.2018 in Münster, mehr Informationen dazu unter https://www.katholikentag.de/