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Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter - Action des Chrétiens pour l’Abolition de la Torture

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Friedensgebet Nikolaikirche 2012

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Friedensgebet Nikolaikirche / Gen 1,26ff. / UN-Tag für die Opfer der Folter (26.6.) / Leipzig, 18.06.2012

Die Würde des Menschen ist unantastbar –
„Du hast ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt“

                                                                          Bernhard Kohl OP (es gilt das gesprochene Wort)

I Exegese

„Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich. Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere auf dem Land.“
Hierbei handelt es sich um die zentrale Aussage des Alten Testamentes und der Bibel überhaupt zum Me­n­schen und es ist die Aussage, in welcher sich die drei monotheistischen Religionen einig sind. Der Mensch ist das Bild Gottes. Was ist damit gemeint?
Die Aussage ist der ägyptischen Königsideologie übernommen. Der ägyptische Pharao galt als das Bild, ge­nauer als die Statue, das Abbild des Sonnengottes auf der Erde. Wo also der Pharao war, dort war auch Gott wirklich präsent. Deswegen stellte der Pharao in den Provinzen seines Reiches Statuen seiner Person auf. Die Autoren des Buches Genesis kannten diese theologische Vorstellung aus Ägypten und griffen sie für ihre Schöpfungserzählung auf, für ihre Erzählung von der Entstehung der Welt.

1.) Damit ist ein erster Punkt erreicht: Was hier im Buch Genesis steht ist Teil der Schöpfungserzählung, der Urgeschichte und gilt somit für alle Menschen, da dieser Teil der Bibel über eine Zeit erzählt, in der es noch keine Völker, Nationen oder andere Gruppen gab. Nur der Mensch als Mensch existierte. Die Gottebenbildlichkeit gilt also nicht nur für Israeliten – oder wie in der Tradition gerne angenommen: für Christen. Alle Menschen sind Ebenbild Gottes. Die altägyptische Königsideologie wird im Ersten Testament demokrati­siert.

2.) Der Mensch wird als Mann und Frau geschaffen. Menschen gibt es nur in der Erscheinungsform Mann und Frau. Beide sind gleichermaßen Ebenbild Gottes. Die Genesis erweitert also die altägyptische Vorstellung von der Gottebenbildlichkeit des Pharaos auch in diesem Sinne auf alle Menschen: Alle Menschen repräsen­tieren Gott auf der Erde. Alle Menschen sind Ebenbild Gottes – ohne Ausnahme, ohne Vorbedingung, ohne Unterschied.

Deswegen wurde diese Aussage in der Urgeschichtserzählung der Bibel theologisch auch zur Begründung der menschlichen Würde herangezogen: Indem der Mensch das Ebenbild Gottes ist, kommt ihm eine Würde zu, die von keinem Menschen angetastet werden darf und kann, da sie göttlichen Ursprungs ist. Konkret besteht diese Würde im Verständnis der alttestamentlichen Autoren darin, dass der Mensch als Ebenbild Gottes über die Schöpfung herrschen kann, dass er seine Umwelt in seiner Würde als Ebenbild Gottes gestalten soll.¹
Dafür müssen zwei Prämissen gelten: Der Mensch muss sich selber in seinem Handeln seiner Ebenbildlichkeit als würdig erweisen. Und er muss würdig behandelt werden, d.h. die Chance erhalten so handeln zu können. Beide Punkte gehören unabdingbar zusammen und können nicht getrennt werden.
Die Gottebenbildlichkeit ist das absolute Positivbild der menschlichen Würde.

II Folter²

Folter ist das absolute Negativbild menschlicher Würde, deren absolute Verneinung. Ich möchte es sehr überspitzt formulieren: In der Folter wird die Würde eines Menschen stärker verneint, als durch seine Tötung.
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¹Da wir – anders als andere Kulturen – eine dynamische und deswegen riskante Beziehung zur Natur einnehmen, verlangt dies ein höheres Maß an moralischer Verantwortung ab. M. Welker betont sogar, dass die theologisch vorherrschende Leitkonzeption von Schöpfung, welche er als Hervorbringungs- und Dependenzkonzeption beschreibt, als Fehlkonzeption betrachtet werden muss, da sie dem biblischen Befund widerspricht. Vielmehr sei die Eigenaktivität der Schöpfung wesentlich stärker zu betonen, als das in der Tradition geschehen sei. Es gehe für eine biblisch angemessenes Schöpfungsverständnis darum, die in den klassischen Schöpfungsberichten vorfindbare Betonung der Verbundenheit und des Zusammenwirkens von Schöpfer und Geschöpflichem hervorzuheben und Schöpfung als Aufbau und Erhalt eines Zusammenhangs von Interdependenzverhältnissen verschiedener - von Menschen beeinflussbarer oder nicht beeinflussbarer - geschöpflicher Bereiche zu verstehen. Schöpferisches Wirken besteht demnach darin, dass verschiedene natürliche und kulturelle geschöpfliche Bereiche in fruchtbare, lebensförderliche Interdependenzzusammenhänge gebracht werden.

²Vgl. hierzu Heiner Bielefeldt, Menschenwürde und Folterverbot. Eine Auseinandersetzung mit den jüngsten Vorstößen zur Aufweichung des Folterverbots (DIMR Essay 6), Berlin 2007.

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Folter ist, kurz gesagt, die Aufhebung der Willensfreiheit und die komplette Aufhebung der Handlungsmög­lichkeit eines Menschen auf physischem oder psychischem Weg bei Erhaltung des Bewusstsein. Der Betrof­fene erlebt die Ausschaltung seiner Willensfreiheit bewusst und soll sie ja auch bewusst erleben - genau dies macht ja die gute Folter aus. Er wird Zeuge seiner eigenen Verdinglichung. Er wird Zeuge des Vorgangs, der ihn von einem Wesen, das nur wenig geringer als Gott ist, zu einem bloßen Ding, zu einem Spielball seines Folterers, zu einem Bündel aus Schmerz, Angst und Scham macht. Genau daran soll er zerbrechen.
In dieser Situation hat der Gefolterte auch keine Wahlfreiheit, keine Handlungsmöglichkeit mehr durch Kundgabe von Informationen die Qualen der Folter zu beenden, da diese seine Freiheit in der Situation der Folter nur eine Freiheit zum Zusammenbruch sein kann, der unter unerträglichen Schmerzen oder aus Angst vor solchen Schmerzen beinahe zwangsläufig erfolgt. Deswegen ist die Folter eine unmittelbare und vollständige Negierung der Achtung der Menschenwürde.
Nun mag es Situationen geben, in welchen man bzgl. der Anwendung von Folter auf monströse Gedankenspiele kommen kann. In welcher solche Gedanken wie eine natürliche, eine menschlich angemessene Reaktion erscheinen. So wird zumindest zunehmend häufiger in Bezug auf Fallkonstellationen argumentiert, die sich aus religiös motiviertem Terrorismus ergeben könnten - so in Bezug auf Terroristen, die bspw. eine radioakti­ve Bombe verstecken und vor der Explosion gefasst werden können. Wäre es nicht sinnvoll - juristisch exakt reglementiert, medizinisch lückenlos kontrolliert und überwacht - in solchen Fällen zu foltern, um unschuldige Leben zu retten? Abgesehen davon, dass solche Methoden in keinster Weise geeignet sind, den Einsatz von Folter zu reglementieren, weil sich irgendwann doch die Frage stellen wird, ob man nicht noch weiter gehen sollte, um eben noch mehr Informationen aus dem Gefolterten herauszupressen besteht eine Art menschlicher Scheu, sich auf solche Gedankenspiele einzulassen. Es ist die Scheu, die einen Menschen überfällt, wenn er an ein Tabu rührt.
Eine solche Empfindung der Scheu ist dem Umgang mit dem Thema Folter angemessen und sollte kultiviert werden. Dabei ist klar, dass man so vor allem juristisch keine befriedigende Lösung herbeiführt, sondern vielmehr eine rechtliche Lücke offen hält. Eine Lücke zwischen dem sehr hohen Wert der Menschenwürde und der konkreten lebensweltlichen Realität und dem Gerechtigkeitsempfinden von Menschen.

III Theologie
Die Theologie und der christliche Glaube kann einen Beitrag dazu leisten, mit einer solchen Lücke, mit einer solchen Leerstelle zu leben, ohne daran zu zerbrechen und ohne sich billig vertrösten zu müssen.
Eine Theologie, ein theologisches Handeln, eine Glaube welcher eine solche Leerstelle, einen solchen Nicht-Ort unserer Gesellschaft zum Ausgangspunkt nimmt, macht darauf aufmerksam, dass es in modernen Gesellschaften und demokratisch-rechtsstaatlichen Systemen Lücken gibt, die wir nicht schließen können, ohne dabei die Würde von Menschen zu missachten.
Eine solche Theologie, ein solcher Glaube muss deswegen diese bleibende Leerstelle gegen alle – heimlichen oder populistischen – politischen Schließungsversuche verteidigen, sie offen halten. Die US-amerikanische Politologin Agnes Heller hat es so formuliert: „Der leere Stuhl wartet auf den Messias. Wenn jemand diesen Stuhl besetzt, kann man sicher sein: es handelt sich dabei um den pervertierten oder verlogenen Messias. […] Die Politik kann diesen unbesetzten Stuhl nicht gebrauchen“, aber solange man den Stuhl belässt wo er ist, genau im Zentrum der Gesellschaft, wo er in seiner warnenden Leere fixiert bleibt, müssen die politischen Handlungsträger sein Dasein zumindest noch in Rechnung stellen.

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³Vgl. Jörg Splett, zitiert nach Gerhard Beestermöller, Folter – Daumenschrauben an der Würde des Menschen. Zur Ausnahmslosigkeit eines absoluten Folterverbotes, in: Beestermöller/Brunkhorst (Hg.), a.a.O., 115ff., hier 123.
 

Denkt an die Gefangenen,
als ob ihr selbst mit ihnen im Gefängnis wärt.
Denkt an die Misshandelten,
als müsstet ihr ebenso leiden wie sie.

Hebr. 13,3

Was Sie tun können


Freilassungen 2017

Die Zusammenstellung der Freilassungen 2017 erfüllt uns wieder mit großer Dankbarkeit und zeigt uns andererseits wie wichtig es ist, in unserer Arbeit und im Gebet nicht nachzulassen.


ACAT Jugendflyer

Der neue ACAT-Jugendflyer ist ab sofort zum Download verfügbar.


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ACAT auf dem Katholikentag 2018 in Münster:

Wie schon sehr häufig, wird die ACAT auch in diesem Jahr wieder auf dem Katholikentag in Münster vertreten sein. Einmal mit einem Stand auf der Kirchenmeile und zum anderen mit einem Morgengebet am 11.05. Weitere Einzelheiten zum Auftritt der ACAT werden in Laufe der nächsten Wochen bekannt und entsprechend kommuniziert. Auf jeden Fall freuen wir uns jetzt schon auf Ihren Besuch!

Der Katholikentag findet statt vom 09. - 13.05.2018 in Münster, mehr Informationen dazu unter https://www.katholikentag.de/