Monatsgebet Januar 2018

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Gebet_Kreuz

Denkt an die Gefangenen,
als ob ihr selbst mit ihnen im Gefängnis wärt.
Denkt an die Misshandelten,
als müsstet ihr ebenso leiden wie sie.

Hebr. 13,3


Denken wir an einen Aktivisten aus PAKISTAN
Raza Mahmood Khan ist Friedensaktivist und Präsident von Aaghaz-e-Dosti (Anfang der Freundschaft), einer Organisation, die den Frieden zwischen Indien und Pakistan fördert. Er ist ebenfalls Mitglied von Hum Sab Aik Hai, einer Organisation, die die Gleichheit aller Bürger, egal welcher Religionszugehörigkeit, fordert. Außerdem organisiert er verschiedene öffentliche Angebote mit dem Ziel, den religiösen Extremismus in Pakistan zu reduzieren. Am 2. Dezember verschwand er, nachdem er seinen Standpunkt gegenüber einer Gruppe religiöser Extremisten erklärt hatte, die den Rücktritt eines Ministers gefordert hatten, wegen dessen angeblicher blasphemischer Äußerungen. Es fehlt jede Spur von ihm. Sein Bruder erbat am nächsten Tag bei der Polizei, ihn zu suchen. Seine Bitte wurde erst am 5.12. aufgenommen. Die Menschenrechtsverteidiger stellen in Pakistan ein zunehmend feindliches Klima fest. Zwischen August und Oktober 2017 sind allein 300 Menschen Opfer von Verschwindenlassen geworden, deutlich mehr als im Vergleichszeitraum der Jahre zuvor.
Gebet: Wir bitten Dich, Gott, um Ermutigung für alle Menschen, die sich für den Frieden zwischen den Angehörigen verschiedener Religionen engagieren. Und wir bitten für die religiösen Extremisten, denen jedes Mittel in ihrem Kampf erlaubt erscheint: dass sie die Menschenwürde eines jeden Menschen erkennen und lernen, nicht nur das Trennende zu sehen, sondern das, was uns in der Suche nach dir verbindet.

Denken wir an ein Opfer von Verschwindenlassen in LAOS  
Sombath Somphone, Führer der Zivilgesellschaft in Laos, wurde schon vor fünf Jahren Opfer von Verschwindenlassen. Die Regierung ist offenbar nicht in der Lage, eine unabhängige, transparente und wirkungsvolle Untersuchung durchzuführen, um den Ort, an dem Sombath Somphone festgehalten wird, zu ermitteln und ihn zu befreien, damit er zu seiner Familie zurückkehren kann. Er wurde zuletzt am 15. Dezember 2012 vor einer Polizeistation in Laos‘ Hauptstadt gesehen. Durch eine Videoüberwachungskamera war gefilmt worden, wie sein Auto gezwungen wurde anzuhalten, er mit Gewalt aus dem Auto gezerrt wurde und in Anwesenheit eines Polizisten weggebracht wurde. Die Tatsache, dass Polizeibeamte bei der Entführung anwesend waren und nicht intervenierten, deutet auf die Beteiligung staatlicher Agenten am Verschwindenlassen von Sombath Somphone hin. Die Autoritäten in Laos haben keinerlei Aktivitäten unternommen, die zur Aufklärung beigetragen hätten. Dies ist kein Einzelfall in Laos, es gibt zahlreiche andere Opfer.       
Gebet:Gott, wir beklagen, dass seit über drei Jahren niemand – nicht einmal seine Familie - etwas von Sombath Somphone gehört hat. Wir bitten dich darum, dass er und seine Angehörigen die Hoffnung auf ein Wiedersehen nicht verlieren. Wir bitten dich um Trost für sie.      

Denken wir an einen Gefangenen in KAMERUN      
Patrice Nganang, Schriftsteller und Lehrender an der Universität Stony Brook in New York, Inhaber eines kamerunischen und eines amerikanischen Passes, wurde am 6. Dezember 2017 ohne Haftbefehl am Flughafen von Douala verhaftet. Er wurde nach Yaoundé in das Gebäude der Gerichtspolizei gebracht. Am nächsten Tag wurde ihm der Grund seiner Verhaftung mitgeteilt: Er habe auf einer Facebook Seite den kamerunischen Präsidenten beleidigt, ihm den Tod gewünscht und die Unwahrheit gesagt. Er darf Kontakt zu seinem Anwalt haben, nicht jedoch zu seiner Familie. Patrice Nganang gehört zu den schärfsten Kritikern der Regierung des seit 35 Jahren amtierenden Präsidenten Paul Biya. Patrice Nganang hatte am 5. Dezember 2017 in der Wochenzeitschrift „Jeune Afrique“ einen Artikel über seine Erkundungsreise im unruhigen anglophonen Westen Kameruns veröffentlicht. Er kritisiert in dem Artikel die Regierung. Sie sei unfähig, die Krise zu meistern, ein Wechsel sei nötig. Patrice Nganang ist weiterhin in Untersuchungshaft, im Januar soll das Verfahren eröffnet werden.  
Information: Kamerun ist ein Vielvölkerstaat. Die Menschen im anglophonen Westen des Landes fühlen sich ausgegrenzt, möchten sich abspalten. Die autoritäre Regierung geht mit Härte gegen die als Terroristen bezeichneten Menschen im Westen vor. 
Gebet: Guter Gott, hilf, dass Patrice Nganang ein faires Gerichtsverfahren erhält. Hilf auch den Menschen in Kamerun dabei, dass das Zusammenleben der vielen Völker friedlich und ohne Repressionen erfolgen kann.

Denken wir an einen Gefangenen in Vietnam         
Seit 2 Jahren ist Nguyen Van Dai, Rechtsanwalt und Menschenrechtler, inhaftiert. Er wurde am 16. Dezember 2015 in Hanoi verhaftet, als er auf dem Weg zu einem Treffen mit Vertretern der EU war, auf dem es um ein gemeinsames Bemühen um Menschenrechte gehen sollte. Zwei Tage zuvor war er von maskierten Unbekannten brutal zusammengeschlagen worden. Seit seiner Inhaftierung konnte er zweimal seine Frau sehen. Sein Anwalt erhielt vom Sicherheitsdienst keine Erlaubnis, ihn zu sehen. 19 Monate nach seiner Inhaftierung wurde er schließlich wegen umstürzlerischer Aktivitäten und wegen Propaganda gegen den Staat angeklagt. Mit dieser Anklage kann er weitere 20 Monate ohne Prozess in Haft bleiben. Wird er für schuldig befunden, drohen ihm 20 Jahre Haft. Nguyen Van Dai hat 2006 in Vietnam das Komitee für Menschenrechte gegründet und sich immer für die Wahrung der Menschenrechte eingesetzt. Er war bereits 2008 inhaftiert und gezwungen worden, sein Anwaltsbüro aufzugeben. Nach der Entlassung durfte er sein Haus nicht verlassen. Zwischen März und Dezember 2015 hatte er einige Monate in relativer Freiheit leben können. Es ist zu befürchten, dass er in der Haft Misshandlungen ausgesetzt ist.          
Information: Das kommunistische Regime in Vietnam geht immer härter gegen Kritiker vor. 2017 wurden über 30 Menschenrechtler und Blogger festgenommen oder zum Exil gezwungen.        
Gebet: Guter Gott, wir danken Dir, dass Menschen wie Nguyen Van Dai sich selbstlos für die Rechte anderer einsetzen und uns ein Beispiel geben. Schütze ihn in der Haft vor Misshandlung und gib ihm Hoffnung, dass sein Einsatz für die fundamentalen Rechte des Menschen nicht umsonst ist. Hilf, dass das Regime in Vietnam seine Innenpolitik überdenkt und Nguyen Van Dai die Freiheit gibt.   

Denken wir an einen von Folter bedrohten Mann in CHINA
Der bekannte chinesische Aktivist Wu Gan ist am 26. Dezember 2017 vor dem Mittleren Volksgericht Nr. 2 in Tianjin wegen „Untergrabung der Staatsgewalt“ zu acht Jahren Gefängnis verurteilt worden. Wu Gan war bereits im Mai 2015 während einer Demonstration vor einem Gerichtsgebäude festgenommen worden, wo er gegen ein mutmaßliches Fehlurteil der Justiz in einem Todesstrafenfall aus dem Jahr 2000 protestiert hatte. Erst im Juli 2015 erließ die Staatsanwaltschaft offiziell Haftbefehl gegen ihn. Bis zu seinem Gerichtsverfahren im August 2017, das unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, war Wu Gan bereits mehr als 28 Monate lang ohne Zugang zu seiner Familie inhaftiert gewesen. Nach seiner Verurteilung nannte er in einer Stellungnahme die Namen von 13 Beamten, die ihn in der Haft gefoltert haben sollen. Es wird daher befürchtet, dass ihm nach wie vor Folter und andere Misshandlungen drohen.
Information: In China werden Aktivisten und Menschenrechtsverteidiger nach wie vor systematisch überwacht, schikaniert, eingeschüchtert, festgenommen und inhaftiert. Immer häufiger kommt es vor, dass die Polizei Menschenrechtler_innen nicht in offiziellen Hafteinrichtungen festhält. Häufig haben die Inhaftierten über lange Zeit hinweg keinen Zugang zu einem Rechtsbeistand, was Folter und anderen Misshandlungen Vorschub leistet.             
Gebet: Vater, wir sind in Sorge um die Gesundheit von Wu Gan. Schütze du sein Leben und seine Gesundheit. Wir bitten um Kraft und Hoffnung für ihn. Wir bringen auch die Beamten vor dich, die ihn misshandelt haben. Schenke ihnen, dass sie die Menschenwürde ihrer Gefangenen erkennen.        

Denken wir an Opfer staatlicher Gewalt in HONDURAS        
Am 26. November 2017 fanden in Honduras Präsidentschaftswahlen statt. Die mangelnde Transparenz im Wahlprozess und bei der Stimmenauszählung lösten im ganzen Land zahlreiche Massenproteste aus, die tagelang anhielten. Seitdem werden Proteste gewaltsam unterdrückt. Am 1. Dezember rief die Regierung per Erlass für zehn Tage den Ausnahmezustand aus. Am 17. Dezember schließlich erklärte der Wahlausschuss Juan Orlando Hernández zum Wahlsieger. Da der Wahlvorgang – auch nach Aussagen von ausländischen Wahlbeobachtern - voller Unregelmäßigkeiten war, wird dies nicht allgemein anerkannt. Seit der brutalen Unterdrückung von Massendemonstrationen, die am 15. Dezember im Rahmen eines Generalstreiks organisiert wurden, nimmt das Ausmaß der Gewaltanwendung durch die Sicherheitskräfte stetig zu. Angehörige der Polizei, der Militärpolizei und des Militärs wenden Berichten nach unverhältnismäßige Gewalt an. Es sollen routinemäßig tödliche Waffen eingesetzt worden sein, um Protestierende auseinanderzutreiben. Ab dem 26. November wurden durch die eskalierende Staatsgewalt mindestens 20 Menschen getötet. Außerdem gab es zahlreiche Berichte über Verletzungen durch Schusswaffen oder durch brutale Schläge der Sicherheitskräfte. In weiteren Fällen kann von Folter und anderer grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung gesprochen werden.
Gebet: Gott, wir sind bestürzt über das Ausmaß der staatlichen Gewalt. Wir hoffen auf eine Deeskalation der Situation in Honduras. Wir beten für die getöteten Menschen und ihre Familien, die Verletzten und die von ihrem Staat enttäuschten Bewohner.          

Denken wir an einen Gefangenen in VENEZUELA    
Der Aktivist und Studierendenführer Villca Fernández wurde am 31. Januar 2016 im westvenezolanischen Bundesstaat Mérida inhaftiert, nur wenige Stunden nachdem er eine Twitternachricht veröffentlicht hatte. Mit dem Tweet reagierte er auf die Aussage eines hochrangigen Regierungsvertreters, der ihn beschuldigt hatte, Teil einer Verschwörung zu sein. Villca Fernández wird rechtswidrig beim venezolanischen Geheimdienst SEBIN in der Hauptstadt Caracas festgehalten. Seit seiner Gefangenschaft leidet er an verschiedenen Erkrankungen, darunter Bluthochdruck, Bronchitis, Rückenschmerzen und Magen-Darm-Probleme. Ärzte drängen auf medizinische Versorgung in einer Klinik, die Generalstaatsanwaltschaft ordnete die Verlegung in ein Krankenhaus an, diese wurde aber bereits fünfmal verschoben. Weiterhin wurde ihm wochenlang der Zugang zu Sonnenlicht verwehrt. Nach fast zwei Jahren Haft steht der Beginn seines Gerichtsverfahrens nach wie vor grundlos aus.            
Gebet: Himmlischer Vater, wir beten für die Verantwortlichen dieses Leidens: Begegne du ihnen, berühre ihre Herzen, lass du sie erkennen, wofür sie ihre Macht und ihre Berufe in deinem Sinn einsetzen können. Wir bitten dich auch für Villca Fernández um medizinische Versorgung und ein faires Verfahren.

 

Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr…

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.


Dietrich Bonhoeffer,
geschrieben im für Folterungen bekannten Kellergefängnis
des Reichssicherheitshauptamtes in Berlin, Ende 1944