ACAT - Deutschland

Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter - Action des Chrétiens pour l’Abolition de la Torture

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72 Flüchtlinge, die über ein EU-Land nach Deutschland gekommen sind, leben im Kreis Coesfeld. Bei einem Großteil von ihnen handelt es sich um Bootsflüchtlinge. Sie sollen von der Abschiebung verschont bleiben, fordert die in Lüdinghausen ansässige Menschenrechtsorganisation ACAT.

 Von Werner Storksberger

Die Politik soll auf Abschiebungen von „Bootsflüchtlingen“ verzichten, die Kirchen sollen in den Gottesdiensten der Menschen gedenken, die auf der Flucht umgekommen sind, und der Kreis Coesfeld soll Abschiebungen nach Italien einstellen. Mit diesen Forderungen trat jetzt die ACAT Deutschland, die in Lüdinghausen ihren Sitz hat, an die entsprechenden Adressaten heran.

„Wir haben schon 2008 mit einer Kampagne auf das Schicksal vieler Afrikaner, die auf der Flucht übers Mittelmeer ertrunken sind, aufmerksam gemacht. Aber geändert hat sich seither nichts“, erklärte gestern Annegret Hutzenlaub, stellvertretende Vorsitzende und Geschäftsführerin der ACAT Deutschland, im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten. Die Menschenrechtsorganisation nahm die Katastrophe der vergangenen Tage mit über 1100 Toten zum Anlass, erneut auf das Schicksal der Bootsflüchtlinge hinzuweisen.

Bei der ACAT handelt es sich um eine christliche Menschenrechtsorganisation. Die „Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter“ stammt aus Frankreich ein. Die deutsche Sektion, der aktuell ungefähr 500 Mitglieder angehören, wurde vor fast genau 30 Jahren in Nordkirchen gegründet.

„Wir bitten Sie, ein Zeichen zu setzen, um auf eine Änderung im Umgang mit Flüchtlingen hinzuwirken“, heißt es in dem Schreiben, das von Lüdinghausen aus an alle katholischen Bischöfe sowie an die evangelischen Landeskirchen ging. Diese Aufforderung richtete ACAT auch an die Bundeskanzlerin, an Bundespräsident Gauck, Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert und an den Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Christoph Strässer. In einem ähnlich formulierten Schreiben an Landrat Konrad Püning wird der Kreis Coesfeld aufgefordert, „solidarisches Verhalten mit Italien zu zeigen“. Dorthin werden aktuell viele Asylsuchende abgeschoben, die übers Mittelmeer gekommen sind. Italien gilt als sicheres Drittland, in das die Flüchtlinge zurückgeführt werden.

Aktuell leben 72 Asylsuchende im Kreis Coesfeld, die über ein EU-Mitgliedsland in den Kreis Coesfeld gekommen sind. Der Kreis gehe davon aus, dass ein Großteil als sogenannte Bootsflüchtlinge gilt und über Italien nach Europa gekommen ist, so Kreis-Sprecher Christoph Hüsing. „Mir sind verschiedene Fälle bekannt, wonach diese Menschen jetzt von Abschiebung bedroht sind“, erläuterte Annegret Hutzenlaub gegenüber den WN die Situation dieser Menschen, die aus Afrika gekommen sind. Vor dieser Abschiebung haben sie verständlicherweise Angst, denn in Italien droht ihnen Obdachlosigkeit, Rechtlosigkeit und Armut. Mit dem Verzicht auf eine Abschiebung „würde der Odyssee dieser Menschen ein Ende bereitet“, heißt es abschließend in den Schreiben an die Politik und die Kirchen.

Erschienen am 30.04.2015 in den "Westfälischen Nachrichten"


Denkt an die Gefangenen,
als ob ihr selbst mit ihnen im Gefängnis wärt.
Denkt an die Misshandelten,
als müsstet ihr ebenso leiden wie sie.

Hebr. 13,3

Was Sie tun können

 

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Nächtliche Gebetswache für Folteropfer

Die ACAT-Gruppe auf der Ruhrhalbinsel hält die Gebetswache seit Jahren in 2 Kirchen (kath. und evang.) und geht zu Fuß von der einen zur anderen. Deshalb teilt sie das Thema in 2 Teile auf, betet in jeder Kirche für 5 der 10 Folteropfer und lässt jeweils einen Unterstützerbrief schreiben. Nutzen Sie den angehängten Ablauf gern auch für Ihren Gottesdienst / Ihr Gebet.
 
Weitere Informationen hier.


Ein Gespür für die Unterdrückten

Die Zeitschrift "Lebenslauf" (Bundesverlag, Witten) hat den bisherigen Lebensweg von
Magdalena Marx, der sehr eng mit dem Weg der ACAT Deutschland verknüpft ist, in einem eindruckvollen Artikel nachgezeichnet.


Filmhinweis
"Exodus - Der weite Weg"
Filmtipp

Der Film beschreibt die globale Dimension des Flüchtlings- und Migrationsthemas durch die Perspektiven der porträtierten Menschen aus vier Kontinenten über einen Zeitraum von zwei Jahren.
Ende März / Anfang April in ausgewählten Kinos.

Spielplan und Trailer: hier

 

Menschenrechte auf dem Rückzug

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